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Luzerner Fasnacht 2026

  • Autorenbild: Daniel Kneubühl
    Daniel Kneubühl
  • vor 4 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Sie war etwas verregnet, die Luzerner Fasnacht 2026. Ausgerechnet in diesem Jahr, in dem ich mit meiner Leica bewusst eintauchen wollte – ganz nah ran an Gesichter, Instrumente, Stimmungen.


Und doch: Es ist mir geglückt.


Schmutziger Donnerstag – Auftakt mit Licht


Am Donnerstagnachmittag stand ich am Strassenrand und verfolgte den Umzug. Der Himmel meinte es gut mit uns. Zwischen zwei grauen Wolkenschichten drückte tatsächlich die Sonne durch und tauchte die Szenerie in ein weiches, fast gnädiges Licht.


Nach dem Umzug begegnete ich diesem Paar. Weiss gekleidet, nebeneinander auf einem Sofa mitten im närrischen Treiben, mit diesen übergrossen Maskenköpfen – grotesk und doch herzlich. Sie winkten, lachten, posierten. Für einen Moment war alles leicht. Ein Bild zwischen Absurdität und Zärtlichkeit. Fasnacht kann beides.



Rüüdiger Samstag – nass, laut, lebendig


Der Samstag war ungemütlich. Kalt, feucht, voll. Der „rüüdige Samstag“ ist längst kein Geheimtipp mehr – er wächst von Jahr zu Jahr. Die Gassen drängen, die Musik pulsiert, der Regen mischt sich unter Konfetti und Nebel.


Ich liess mich treiben.


Eine Guggenmusig zog vorbei – und ich zog die Belichtungszeit bewusst länger. Farben verwischten, Lichter wurden zu Linien, Trompeten zu goldenen Spuren im Grau der Stadt. Das Bild ist kein Stillstand, es ist Bewegung. So fühlt sich dieser Tag an: nicht scharf, nicht ruhig – sondern vibrierend.



Und dann wieder ganz nah: Trompeten im Anschlag, konzentrierte Gesichter, Atem in Messing. Auftritt auf einer Treppe. Die Musikerinnen und Musiker geben alles. Man sieht die Anspannung in den Fingern, die Leidenschaft im Blick.


Musik nicht als Hintergrund – sondern als Kraft.




Noch näher wird es bei den Trommeln. Zwei Sticks kreuzen sich in der Luft, Becken zittern nach. Man hört das Metall, selbst wenn man nur das Bild betrachtet. Rhythmus als Herzschlag der Gassen.



Güdismäntig – früh, klar, intensiv


Am Güdismäntig war ich früh in Luzern. Die Stadt noch nicht ganz wach, die Luft kühl. Und: es blieb trocken – zumindest bis zum Umzug.


Ich nutzte die Stunden. Wanderte durch die Altstadt, von Ecke zu Ecke, von Bühne zu Bühne. Kleine Guggenkonzerte, spontane Auftritte, Begegnungen auf Augenhöhe.



Und dann dieser Moment am Vormittag:


Blickkontakt.


Ein Grind, kunstvoll gearbeitet, tierhaft, mit roten Steinen im Stirnschmuck. Und doch – hinter den dunklen Augenöffnungen spürte ich einen echten Blick. Kein Zufall, kein flüchtiges Vorbeigehen. Sie sah mich. Und ich sie.


Hinter dem Grind eine Seele. Genau darum geht es.








Später lehnten zwei Masken an einer roten Tür, die Posaunen darunter abgestützt. Hörner, Fell, starre Augen. Eben noch laut, wild, fordernd. Jetzt still. Eine verdiente Pause.



Zwischen Klang und Stille liegt der eigentliche Zauber.



Meine Fasnacht


Ich liebe die Fasnacht, seit meiner Kindheit. Ich war selbst einige Jahre in einer Basler Clique und in einer Guggenmusig aktiv. Vielleicht fotografiere ich sie deshalb nicht nur von aussen. Ich kenne das Kribbeln vor dem Auftritt. Den Moment, wenn der Tambourmajor zählt. Das Brennen in den Lippen. Den Stolz nach dem letzten Ton.


Fasnacht ist mehr als Kostüm und Krach. Sie ist Identität, Ventil, Gemeinschaft.


Auch 2026 – trotz Regen, trotz nasser Schuhe – war sie wieder rüüdig schön.


Und mit der Leica durfte ich nicht nur Bilder machen.

Ich durfte wieder eintauchen.

Noch ein paar Bilder mehr



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