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Wenn Leidenschaft zurückkehrt

  • Autorenbild: Daniel Kneubühl
    Daniel Kneubühl
  • 1. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Nicht mehr müssen. Wieder dürfen.


Ich bin zurück.Ich fotografiere wieder.


Vor sechs Jahren habe ich den Beruf „Fotograf“ bewusst abgeschlossen. Nicht im Zorn. Nicht aus Frust. Sondern aus Klarheit.


Ich führte ein eigenes Studio. In dieser Zeit schrieb ich mein Buch „Fotografieren mit Leidenschaft“ – eine persönliche Auseinandersetzung mit Bildgestaltung, Wahrnehmung und der inneren Haltung hinter der Kamera. Es war mehr als ein Fachbuch. Es war mein fotografisches Credo.


Ich organisierte Fotoreisen im In- und Ausland und unterrichtete Menschen, die lernen wollten, Licht zu sehen, Momente zu lesen und Bilder bewusst zu komponieren. Eine Zeit lang spielte ich ernsthaft mit dem Gedanken, die Fotografie zu meinem Vollzeitberuf zu machen.


Doch ich liebte meinen angestammten Beruf als Unternehmensberater zu sehr, um ihn loszulassen. Er forderte mich intellektuell, gab mir Gestaltungsspielraum – und ja, er war wirtschaftlich stabiler. Es ist leicht, der Leidenschaft zu folgen. Es ist reifer, beide Seiten ehrlich zu betrachten.


Kurz vor Corona schloss ich mein Studio. Fotoreisen und Kurse stellte ich ein. Und mit diesem Schritt verschwand langsam auch meine eigene fotografische Energie.


Meine Nikon-Kameras blieben im Schrank.Nicht aus Trotz – sondern aus Leere.

Ich hatte Jahre lang professionell fotografiert. Mit Verantwortung. Mit Erwartungsdruck. Mit Kundenterminen. Mit wirtschaftlichen Zielen. Fotografie war nicht nur Ausdruck – sie war auch Verpflichtung.


Und vielleicht musste ich genau das verlieren, um sie neu zu entdecken.

Stattdessen begann eine andere kreative Phase. Mit meinem Camper reiste ich los, filmte mit dem iPhone, schnitt meine Geschichten in Final Cut Pro und baute einen YouTube-Kanal auf. Ich tauchte tief in Dramaturgie, Ton, Storytelling und Schnitt ein. Ich lernte, wie Bewegung wirkt, wie Musik Emotion trägt, wie Rhythmus Spannung erzeugt.

Das war keine Flucht.Es war Entwicklung.


Vor drei Jahren entschied ich mich, beruflich wieder stärker in meiner Kernkompetenz zu arbeiten. Der Camper ging. Die Videoprojekte endeten. Es war Zeit für Fokus.

Fotografiert habe ich weiterhin – meist mit dem iPhone. Und ich bleibe überzeugt: Das Auge macht das Bild, nicht primär das Gerät. Komposition, Lichtführung, Timing – das ist entscheidend. Technik ist Mittel, nicht Ursprung.

Und doch.


Letztes Jahr, an einem Wochenende in Paris, schlenderte ich durch die Stadt. Das Licht war weich, die Strassen lebendig, die Fassaden erzählten Geschichte. Ich fotografierte viel. Gute Bilder entstanden. Mit dem iPhone. Aber ich spürte es ganz klar: Mir fehlte die bewusste Langsamkeit. Das haptische Erlebnis. Das konzentrierte Arbeiten durch einen Sucher. Die Reduktion auf eine feste Brennweite.

Ich überlegte, meine Nikon Z7 wieder zu aktivieren. Eine hervorragende Kamera. Technisch brillant. Doch sie fühlte sich an wie ein Kapitel, das abgeschlossen war.


Es brauchte einen nächsten Schritt. Kein Zurück – sondern ein Weiter.


Nach gründlicher Evaluation entschied ich mich für die Leica Q3 43. Und mit diesem Entscheid kam etwas zurück, das ich lange vermisst hatte: Freude. Nicht die professionelle Ambition. Nicht der Anspruch auf Perfektion. Sondern die stille, ehrliche Freude am Sehen. Als ehemaliger Profi fotografiert man anders. Man weiss, wie man liefern muss. Man kennt die Regeln. Man erkennt sofort, was technisch fehlt.


Als reifer Fotograf fotografiert man freier. Man muss nichts mehr beweisen. Man darf experimentieren. Man darf reduzieren. Man darf einfach schauen. Heute fotografiere ich nicht mehr für Kunden. Nicht für Aufträge.Nicht für wirtschaftliche Ziele.


Ich fotografiere für mich.


Für das Erlebnis. Für die Achtsamkeit. Für die stille Verbindung zwischen Auge, Herz und Moment. Diese Webseite ist kein Portfolio im klassischen Sinn. Sie ist ein persönlicher Raum. Eine Dokumentation einer neuen, alten Leidenschaft. Eine Reise zurück zum Wesentlichen.


Vielleicht ist das die schönste Form der Fotografie: Wenn sie nicht mehr Beruf ist –sondern wieder Begegnung.


Ich bin zurück. Und dieses Mal bleibe ich – aus freien Stücken.


Daniel Kneubühl

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