top of page

Monochrom in Murten

  • Autorenbild: Daniel Kneubühl
    Daniel Kneubühl
  • 1. März
  • 3 Min. Lesezeit

Ein Gang durch Stein, Licht und Gegenwart

Es gibt Orte,die man besucht. Und Ort, die man bewusst erlebt.

Murten gehört für mich zur zweiten Art. Zwischen Mauer und Arkaden, zwischen Turm und Fenster atmet diese Stadt.


Ich entschied mich für schwarzweiss. Weil ich nicht durch Farbe ablenken wollte, was ich sehe.

Dieses Journal ist ein Spaziergang durch Murten, in der Vergangenheit und Gegenwart.



Der Anfang - Dunkel und Licht


Ein schmaler Spalt in der Mauer. Rauhes Gestein, kalt. Hier standen einst Männer und schauten hinaus. Die Welt draussen war Gefahr und hier war Schutz. Ich halte meine Kamera ruhig. Monochrom. Keine Farbe, die ablenkt.


Schiessscharte in Murten
Wächterblick

Gerahmte Geschichte


Ein paar Schritte weiter öffnet sich der Blick. Durch eine Lücke in der Burgmauer erscheint das Schloss. Dunkler Stein im Vordergrund, helles Mauerwerk im Hintergrund, das Schloss. Die Mauer wird zum Rahmen, zur Bühne. Ich sehe die Vergangenheit, durch das, was sie einst schützte, Die Burgmauer.


Schloss Murten
Gerahmte Geschichte - Schloss Murten

Das Schloss - tragende Mauer und eine Laterne


Ich bleibe bei einer Ecke des Schlosses stehen. Hier hat es keine Türme, nur Fundament. Massive Eckquader, hell im Vergleich zum rauen Verputz. Jeder Stein gesetzt um zu tragen. Ich fotografiere diese Ecke wie ein Portrait.


Schlossmauer
Die tragende Schlossmauer

Und dann hängt dort eine Laterne. Geschmiedetes Eisen, das sich an den Stein lehnt. Und ein kleines Licht wacht. Es brennt nicht nur in der Dunkelheit, es ist einfach da. Schutz ist eben nicht nur Stärke, sondern auch Wärme.

Schloss Laterne Murten
Die Schloss Laterne

Rhythmus der Arkaden


Dann trete ich ins Städtchen. Unter den Arkaden wiederholen sich die Formen. Bogen folgt auf Bogen. Stein folgt auf Stein. Seit Jahrhunderten. Das Licht fällt weich zwischen die Lauben. Linien werden zu Melodie. Die Struktur wird sichtbar, weil die Farbe fehlt. Deshalb liebe ich monochrom.


Die Arkaden von Murten
Durchgänge aus Stein - die Arkaden von Murten

Fenster - das Innenleben von Murten

Ein Fenster in der Hauptgasse. Vorhänge leicht verschoben. Dahinter ein Raum, den ich nicht betrete. Ich bleibe draussen. Und stelle mir einfach vor, wie es drinnen sein könnte. Zwischen Öffentlichkeit und Privatleben liegt nur eine Scheibe Glas.


Fenster in Murten
Zwischen Innen und Aussen

Ein paar Schritte weiter drei Fenster nebeneinander, gerahmt von Stein. Ornamente, die weich wirken wie Stoff. Der Stein wird fast sinnlich. Er verliert seine Härte.


Fenster in Murten
Dreiklang in der Hauptgasse

Und dann dieses andere Fenster. Hinter altem Mauerwerk stehen zwei Schaufensterpuppen in feiner Unterwäsche. Kurven hinter Glas. Haut ohne Haut.


Dessous in Murten
Verführerische Fenster

Ein Fachwerkhaus. Die Fensterläden geöffnet wie Arme. Kleine Schneemänner in den Blumenkisten. Laternen. Winter.


Fenster in Murten
Das Winterfenster

Zeit


Der Rathausturm mit seiner Uhr. Und dann fliegt ein Vogel durch mein Bild. Ein kurzer Moment von Bewergung in meinem statischen Bild. Zeit wird hier nicht nur angezeigt. Sie schlägt mit Flügeln vorbei.


Rathauszeit Murten
Murtens Zeit

Über den Dächern


Von der Burgmauer sehe ich die Schindeln. Schicht um Schicht, wie Schuppen.Das Dach zieht diagonal durchs Bild zum Turm. Der See liegt fern und blass im Hintergrund. Die Bäume kahl. Der Himmel grau. Pure Stimmung.


über den Dächern Murtens
über den Dächern

Zurück in der Gegenwart


Es ist Zeit für eine Pause. Am Ende setze ich mich.


Und ich finde - zufällig - eines der schönsten Lokale des Städtchens, die Altstadt Apéro Bar, geführt von Marianne und Roger. Da möchte ich diesen Nachmittag in Murten abschliessen.


Das Besitzerpaar ist mit einem Kollegen von mir verwandt. Murten ist klein. Wege kreuzen sich. Namen tauchen wieder auf. In dieser Bar spürt man es besonders: Kaum tritt jemand ein, wird er begrüsst wie ein alter Bekannter.


Ich stelle meine Kamera auf den Tisch. Die Leica ruht, als hätte sie genug für heute. Dahinter steht mein verdientes Bier. Übrigens ein wundervolles Bier!


Leica Q3 43 und das Rämsi Bier
Die Kamera ruht - Zeit für ein Rämsi Bier in der Altstadt Bar

Während ich meine Bilder betrachte, sehe ich noch einmal zurück in Gedanken: der Lichtspalt, die Mauer, die Arkaden, die Fenster, die Dächer.


Murten hat sich für mich gezeigt. Murten ist schön. Monochrom war heute die richtige Entscheidung. Schwarzweiss lässt richtig fühlen.


Ich nehme einen Schluck. Die Stadt klingt in mir nach.

Ich liebe dieses Städtchen.


Danke Murten.


Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
bottom of page