Tessin, vier Pässe und vier Pfoten...

Vier Tage mit Mabel zwischen Lago Maggiore, Valle Verzasca und den grossen Schweizer Alpenpässen
Mabel ist startklar
Die Reise beginnt eigentlich schon mit diesem Blick aus dem Kofferraum.

Mabel sitzt in ihrer Box, das Auto ist gepackt und wir sind bereit für vier Tage Tessin. Ascona ist das Ziel. Doch statt einfach durch den Gotthard zu fahren, wollen wir schon die Hinreise zum Erlebnis machen.
Über Grimsel und Nufenen soll es in den Süden gehen.
Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnt: Einige dieser Orte werden wir wenige Tage später noch einmal erleben – in einer völlig anderen Welt.
Und Mabel? Sie ist einfach startklar.
Über die Alpen – oder: Wo bitte ist der Süden?
Der Grimsel empfängt uns wenig gastfreundlich. 8 Grad. Regen. Kühler Wind. Wolken und Nebel hängen so tief, dass von der gewaltigen Landschaft kaum etwas zu sehen ist.
Und trotzdem lohnt sich der Halt. Zum ersten Mal sehe ich die alte und die neue Staumauer nebeneinander. Zumindest erahne ich sie. Viel mehr gibt das Wetter nicht her. Mabel scheint derweil ernsthaft an unserer Ferienplanung zu zweifeln. Ein kurzer Spaziergang, ein paar Bilder – und ziemlich schnell zurück ins warme Auto.
Weiter geht es Richtung Nufenenpass.
Für Mabel eine Premiere: So hoch war sie in ihrem Leben noch nie.
Nur wird das Wetter nicht besser. Im Gegenteil.
Noch kälter. Noch ungemütlicher. Und die Aussicht besteht hauptsächlich aus Grau.
Mabel schaut aus ihrer Box, als wollte sie fragen:
«Dani, du hast doch etwas von Tessin, Palmen und Ferien erzählt?»
Irgendwo hinter diesen Bergen soll tatsächlich der Süden auf uns warten.
Und dann: Ascona.
Wir lassen die hohen Berge hinter uns und irgendwann verändert sich die Welt.
Der Lago Maggiore. Palmen. Mildere Temperaturen.
Endlich Tessin.
Wir sind angekommen.
Buongiorno Ascona
Am nächsten Morgen zeigt sich, weshalb wir so gerne hierherkommen.
Unser erster Spaziergang führt uns früh mit Mabel hinunter an den See. Ascona erwacht erst langsam. Noch sind kaum Menschen unterwegs. Die Piazza liegt ruhig da, der Lago Maggiore beinahe ebenso.
Nach dem gestrigen Grau fühlt sich dieser Morgen wie eine andere Reise an. Und natürlich entsteht vor dem grossen roten Herz ein erstes richtiges Tessin-Portrait von Mabel. ❤️
Später machen wir uns auf zu einer Wanderung rund um den Golfplatz.
Und genau diese Runde zeigt, wie abwechslungsreich Ascona sein kann: Palmen, Hafen, kleine Wege, sattes Grün und immer wieder der Lago Maggiore.
Mabel entdeckt das Wasser – und spätestens jetzt ist klar: Sie ist im Tessin angekommen.
Sie plantscht im See, läuft über die Wiesen, beobachtet Boote und Vögel und legt sich zwischendurch einfach ins Gras.
Ihre Nase dürfte an diesem Morgen mindestens so beschäftigt sein wie meine Kamera.
Es sind diese unspektakulären Momente, die ich besonders mag.
Keine Sehenswürdigkeit. Kein Programmpunkt.
Einfach gemeinsam unterwegs sein.
Und irgendwo auf diesem Spaziergang entsteht eines meiner Lieblingsbilder dieser Reise.
Ein Portrait von Mabel.
Dieser wache und gleichzeitig ruhige Blick direkt in meine Kamera.
Manchmal fotografiere ich sie – und merke erst später, dass das Bild eigentlich viel mehr von meiner Beziehung zu ihr erzählt als von ihr selbst.
Sonogno – ganz hinten im Valle Verzasca
Am nächsten Tag fahren wir ins Verzascatal.
Je weiter wir hineinfahren, desto enger wird das Tal, desto wilder die Landschaft.
Ganz hinten liegt Sonogno.
Steinhäuser, enge Gassen, kleine Brücken, Wald und Berge – ein Tessiner Dorf mit einer ganz eigenen Atmosphäre.
Für Mabel ist es ein riesiger Abenteuerspielplatz.
Zuerst werden allerdings die gelben Postautos kontrolliert. Das Foto muss natürlich an Rajesh, unseren persönlichen «Mr. PostAuto». Wenn einer die Postauto-Linien kennt, dann er.
Dann entdecken wir das Dorf zu Fuss.
Mabel läuft neugierig vor uns her. Über kleine Wege, vorbei an den alten Häusern, über Brücken und hinein in die Natur.
Und plötzlich bleiben wir stehen.

Geissen. Mabel sieht die Geissen. Die Geissen sehen Mabel.
Mabel schaut wieder zu den Geissen. Und entscheidet offensichtlich:
«Diese Wesen sind mir nicht geheuer.» 😂
Normalerweise gewinnt ihre Neugier. Diesmal hält sie lieber etwas Abstand. Die Hörner scheinen ihr nicht ganz geheuer zu sein. Man muss schliesslich nicht mit jedem Freundschaft schliessen. Wir ziehen weiter durch Sonogno und geniessen diesen wunderbaren Ort.
Es ist eines dieser Tessiner Erlebnisse, bei denen gar nicht viel passieren muss.
Der Ort selbst genügt.
Noch einmal Ascona
Bevor wir uns auf den Heimweg machen, gehört Ascona noch einmal Mabel.
Ein letzter Spaziergang.
Beim Yachtclub steht sie vor einer Palme, dahinter die Boote, und sieht aus, als hätte sie das Tessiner Dolce Vita längst zu ihrem neuen Lebensstil erklärt. 🌴🐾
Natürlich muss dieses Bild sein. Danach zieht es sie noch einmal hinunter zum Lago Maggiore. Pfoten ins Wasser. Plantschen. Schnuppern. Einfach noch einmal den See geniessen.
Und auf der Piazza wartet zum Abschluss das Wasserspiel. Natürlich muss Mabel untersuchen, wo dieses Wasser plötzlich herkommt – und vor allem, warum es immer wieder verschwindet. Wir schauen ihr zu und müssen lachen.
Vielleicht ist genau das eine der schönsten Erfahrungen dieser Tage:
Einen vertrauten Ort plötzlich wieder neu zu entdecken – durch die Augen eines jungen Hundes.
Dann heisst es Abschied nehmen.
Arrivederci, Ascona. ❤️ Torneremo presto!
Heimreise – aber ganz sicher nicht einfach nach Hause
Eigentlich könnte die Geschichte jetzt vorbei sein. Tessin verlassen. Nach Hause fahren. Doch unsere Rückreise entwickelt sich zu einem der schönsten Tage der ganzen Reise. Und sie beginnt mit weiteren Premieren für Mabel.
Gotthard – Bergluft und Käse
Mabels erstes Mal auf dem Gotthardpass.
Natürlich wird zuerst die Gegend erkundet. Über die Wiesen laufen, Bergluft schnuppern und schauen, was es hier oben alles zu entdecken gibt.
Ich widme mich unterdessen einer wichtigen Gotthard-Tradition: einer Bratwurst. 🌭
Mabel geht natürlich ebenfalls nicht leer aus. Die nette Verkäuferin kann ihrem Blick offenbar nicht widerstehen und schenkt ihr ein bisschen Käse. 🧀🐶
Damit dürfte der Gotthard bei ihr definitiv in guter Erinnerung bleiben.
Für jeden etwas: Berglandschaft für uns. Käse für Mabel. Weiter geht es.
Furka – was für eine Welt
Die nächste Premiere. Mabels erstes Mal auf dem Furkapass.
Und was für ein Kontrast zu unserer Hinreise! Blauer Himmel. Sonne. Klare Bergluft. Eine Fernsicht, bei der man eigentlich gar nicht weiterfahren möchte. Die Landschaft ist gewaltig.
Mabel läuft durch diese alpine Welt, bleibt stehen, schaut – und natürlich wird fotografiert.
Immer wieder. Unsere kleine Border-Collie-Dame vor dieser riesigen Bergkulisse.
Ich liebe solche Bilder. Nicht nur, weil sie schön sind. Sondern weil ich heute schon weiss, dass sie mich später genau an diesen Moment zurückbringen werden.
Wir hier oben. Auf der Furka.
Und plötzlich eine Dampfbahn
Nach dem Furkapass fahren wir weiter.
Eigentlich denke ich, das nächste grosse Erlebnis werde wohl der Grimselpass sein. Doch dann kommt etwas, womit wir überhaupt nicht gerechnet haben: Die Furka-Dampfbahn! 🚂

Mitten in dieser gewaltigen Bergwelt taucht plötzlich eine alte Dampflok auf. Schwarzer Rauch. Weisser Dampf. Das Stampfen der Maschine. Für einen kurzen Moment fühlt es sich an, als wären wir ein paar Jahrzehnte zurückgereist. Noch ist sie erst im Bahnhof Gletsch gestartet, das reicht...
Wir fahren runter von der Furka. In der Kurve beim Muttbach halten wir an: Auto abstellen. Kamera raus. Den Hügel hoch zum Gleis rennen. 📷😂
Gerade noch rechtzeitig.
Die Dampfbahn zieht durch die Landschaft und ich kann mein Glück kaum fassen. Das sind die Momente, die man auf keiner Reise planen kann. Man ist einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und vielleicht bleiben gerade deshalb solche Begegnungen besonders lange in Erinnerung.
Mabel sieht das Ganze vermutlich etwas nüchterner. Dieses grosse schwarze, fauchende Ding darf ruhig etwas Abstand halten. 😂🐾
Zurück am Grimselpass
Und dann schliesst sich langsam der Kreis unserer Reise.
Grimselpass.
Wenige Tage zuvor standen wir genau hier. Nur. Damals: 8 Grad. Regen. Wind. Nebel.
Heute: Sonne. Blauer Himmel. Und endlich Sicht.

Beim Totesee halten wir an.
Am Mittwoch lag er irgendwo hinter einer grauen Wand. Heute liegt er direkt vor uns.
Endlich sehe ich, was hier oben tatsächlich verborgen war.
Mabel muss natürlich noch einmal vor dieser Kulisse posieren.
Nur eines hat sich ebenfalls komplett verändert: Die Menschenmassen. Motorräder. Töfffahrer. Autos. Porsches. Überall Betrieb. Puh!
Das Wetter hat offenbar nicht nur uns zurück auf die Grimsel gelockt.
Wir fahren weiter Richtung Hospiz.
Jetzt sehe ich die Grimselwelt
Beim Grimsel Hospiz passiert etwas, worauf ich mich eigentlich schon bei der Hinreise gefreut hatte.
Jetzt sehe ich sie endlich.
Die ganze Grimselwelt.
Den Stausee.
Die Felsen.
Das Wasser.
Und vor allem: die alte und die neue Staumauer nebeneinander. Was für ein Anblick.
Auf der Hinreise konnte ich diese gewaltigen Bauwerke durch Nebel und Regen gerade einmal erahnen.
Heute liegen sie vor uns. Diese Kombination aus wilder hochalpiner Landschaft und riesigen technischen Bauwerken fasziniert mich. Der Mensch verändert hier die Landschaft in einem gewaltigen Mass – und trotzdem wirkt alles zusammen unglaublich eindrücklich.
Ich stehe da, schaue und fotografiere.
Mabel? Die interessiert sich unterdessen für etwas ganz anderes. Was riecht denn da zwischen diesen Blumen? 😂🐾

Vier Tage, die sich nach viel mehr anfühlen
Ascona.
Lago Maggiore.
Sonogno.
Valle Verzasca.
Grimsel.
Nufenen.
Gotthard.
Furka.
Eine Dampfbahn.
Regen, Nebel und 8 Grad auf der Hinreise.
Sonne, klare Bergluft und ein fast kitschig blauer Himmel auf der Rückreise.
Und mittendrin immer wieder: Mabel.
Es waren nur vier Tage.
Und doch fühlt es sich beim Durchsehen der Bilder nach einer viel längeren Reise an.
Vielleicht, weil wir diesmal nicht einfach von A nach B gefahren sind.
Die Wege dazwischen waren ein Teil der Reise. Und vielleicht auch, weil Mabel vieles verändert.
Ein See ist plötzlich ein Ort zum Plantschen. Ein Wasserspiel auf der Piazza wird zur Attraktion. Geissen werden zu höchst verdächtigen Wesen. Ein Stück Käse auf dem Gotthard zu einem kleinen Ferienhöhepunkt. Und eine Passhöhe wird nicht einfach zu einem Aussichtspunkt, sondern zu einem neuen Ort, den sie zum ersten Mal entdeckt.
Mit ihr erleben auch wir manches wieder neu.
Und genau deshalb bleiben von diesen vier Tagen nicht nur schöne Fotos.
Es bleiben kleine Geschichten. Erinnerungen. Gemeinsame Momente.
Und am Ende ist es vielleicht genau das, weshalb ich so gerne fotografiere:
Damit aus einem schönen Augenblick irgendwann eine Erinnerung wird, zu der ich zurückkehren kann.





























