Wie meine Journale entstehen
- Daniel Kneubühl

- 8. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. Mai
Es gibt kein Drehbuch und keine festgelegte Dramaturgie. Nur eine kleine Vorbereitung. Vor einem neuen Ort lese ich mich ein wenig ein. Nicht zu viel. Nur so, dass ich ein Gefühl bekomme.

Ein paar Stichworte, lose Gedanken, vielleicht ein Bild im Kopf. Mehr nicht. Ich will Raum lassen für das, was dann wirklich geschieht.
Und dann kommt der Tag.
Ich bin unterwegs – als neugieriger Reisender, der staunen will. Und gleichzeitig mit diesem zweiten Blick, der mich seit meinen Jahren als Berufs-Fotograf nie verlassen hat. Dieses feine Gespür für Licht, für Linien, für kleine, fast unscheinbare Momente, die plötzlich Bedeutung bekommen.
Ich nehme auf. Immer im Rohformat. So, wie ich den Moment sehe – aber noch ohne endgültige Interpretation.

Zurück auf dem Schiff beginnt dann ein zweiter, ruhiger Teil des Tages. Fast schon ein Ritual. Ich sitze da, oft mit Blick aufs Meer, und entwickle meine Bilder in Lightroom. Schritt für Schritt. Wie ein erneutes Durchleben des Tages. Jeder Klick bringt mich noch einmal zurück an diesen einen Ort, in diesen einen Moment. Dabei überlege ich mir, wie der Text aussehen könnte.
Erst danach schreibe ich.
Ich nehme meine Stichworte zur Hand. Ganz einfach. Fast nüchtern beginne ich. Satz für Satz. Ohne Druck. Der Text darf entstehen. Darf wachsen. Darf sich entfalten.
Dann gehe ich tiefer. Recherchiere Details. Geschichte. Hintergründe. Dinge, die ich vor Ort vielleicht nur gespürt, aber noch nicht verstanden habe. Ich verwebe das Gesehene mit dem Gewussten. Und beginne zu formen.
Und dann kommt das Feine. Das Überarbeiten. Das Verdichten. So lange, bis sich der Text für mich richtig anfühlt. Stimmig. Ehrlich. Nach mir. KI? Nein, nur, wenn der "K" Kneubühl bedeuten würde. 😉 Mir ist wichtig, dass der Text ICH bin. Also: kein KI.
Zum Schluss füge ich die Bilder ein. Sie sind kein Beiwerk. Sie sind Teil der Geschichte. Ja, eigentlich das Herz, denn dafür schreibe ich diese Journale. Die Fotografie ist meine Leidenschaft.

Und dann dieser Moment…
Ich schaue mir alles an, so wie es später online erscheinen wird. In Ruhe. Mit etwas Abstand. Und wenn es sich gut anfühlt, wenn Bild und Wort miteinander schwingen, dann drücke ich auf „Veröffentlichen“.
Ein kleiner, stiller Moment. Und gleichzeitig ein grosser. Weil Menschen zuhause plötzlich mitreisen können. Mitsehen. Mitfühlen. Mitgeniessen.
Ich habe schon immer viel geschrieben. Meist nur für mich. Gedanken, Reflexionen, Notizen, Tagebücher, Beobachtungen.
Öffentlich und im Buchhandel waren bisher nur meine unzähligen Sachbücher für verschiedene Verlage in der Schweiz – strukturiert, klar, fokussiert auf Organisationsmanagement und Projektmanagement.
Hier ist es anders.
Hier zeige ich mich. Mit meinen Bildern. Mit meinen Worten. Mit meiner Art zu sehen. Und es macht mir unglaublich Freude, Menschen da draussen – irgendwo zuhause – ein Stück mit auf diese Reise zu nehmen.Auf meine ganz persönliche Mini-Weltreise. Erst acht Tage sind vorbei. Und wir haben schon so viel erlebt. Und der Mai ist noch so wunderbar lang.
Manchmal sitze ich hier auf dem Schiff, verbunden über Satellit mit der Welt, und denke: Eigentlich wäre alles möglich. Arbeiten von hier. Leben von hier. Dieses viel zitierte „Work anywhere“.
Vielleicht ist genau das das Schönste an dieser Reise: Nicht nur Orte zu entdecken. Sondern auch Möglichkeiten.
… und die Reise geht leise weiter … 🛳️ … nach Sri Lanka

