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Eguisheim – ein Dorf voller kleiner Entdeckungen

Autorenbild: Daniel Kneubühl
Daniel Kneubühl
vor 7 Stunden
3 Min. Lesezeit

Es gibt Orte, bei denen man schon nach wenigen Schritten weiss: Heute wird die Kamera nicht lange in der Tasche bleiben.


Eguisheim ist so ein Ort.


Wir waren für einen Tagesausflug ins Elsass gekommen – meine Eltern, Marianne, Mabel und ich. Kein grosses Programm, keine Liste mit Sehenswürdigkeiten. Einfach durch die Gassen schlendern, irgendwo einkehren und schauen, was uns begegnet. Und natürlich hatte ich meine Leica dabei.


Rue du Rempart - Eguisheim

Einfach loslaufen

Eguisheim empfing uns genau so, wie man sich ein kleines elsässisches Dorf vorstellt. Kopfsteinpflaster, schmale Gassen, Fachwerkhäuser, Blumen vor den Fenstern – und hinter jeder Kurve wieder eine neue kleine Szenerie.


Das Besondere sind die Gassen. Sie verlaufen nicht einfach gerade durch den Ort, sondern folgen dem historischen, nahezu kreisförmigen Aufbau des Dorfes. Man läuft ein paar Schritte, biegt um eine Ecke – und schon verändert sich das Bild wieder.



Ich merkte schnell, dass mich weniger die grossen Ansichten interessierten als diese kleinen Ausschnitte. Häuser, die nicht perfekt gerade stehen. Pflaster, das seit Generationen begangen wird. Fensterläden, Blumen und Fassaden, die ihre Geschichten nicht verstecken.


Rue du Rempart - Eguisheim

Die kleinen Dinge

Irgendwann begann ich, weniger nach Eguisheim als Ganzes zu suchen und mehr nach seinen Details.

Da war beispielsweise dieser Briefkasten. Darauf ein kleines gemaltes Bild – und darauf wiederum genau jenes Haus, vor dem ich kurz zuvor gestanden hatte.

Ein Bild im Bild.



Und dann kam die Sonne.

Sie zeichnete plötzlich Schatten auf die Fassaden, liess alte Holzbalken hervortreten und machte aus ganz alltäglichen Dingen kleine Motive.

Eine Lampe und ihr Schatten.

Mehr braucht es manchmal gar nicht.



Auch die Fensterläden wurden zu einem Thema. Manche frisch gestrichen, andere vom Wetter gezeichnet. Einige geschlossen, andere halb geöffnet – als könnte man für einen kurzen Moment in das Leben hinter den alten Mauern schauen.



Je länger ich durch Eguisheim lief, desto mehr gefielen mir diese Bilder. Vielleicht gerade deshalb, weil sie nicht versuchen, den ganzen Ort zu erklären.

Sie erzählen nur von einem kleinen Moment.


Fassade in Eguisheim

Mabel mittendrin

Natürlich war auch Mabel dabei.

Für sie dürften Fachwerk und historische Architektur eher nebensächlich gewesen sein. Dafür gab es Kopfsteinpflaster, fremde Gerüche, Menschen, andere Hunde und hinter jeder Ecke etwas Neues zu entdecken.


Und zwischendurch musste sie natürlich auch für den Fotografen stillhalten.


Mabel in Eguisheim

Bei einem zweiten Bild sass sie mitten in einer der schmalen Gassen und schaute konzentriert zur Seite.

Für einen kurzen Moment gehörte ihr Eguisheim ganz allein.


Mabel in Eguisheim

Nicht nur Kulisse

Je näher wir dem Zentrum kamen, desto lebendiger wurde es. Restaurants, kleine Geschäfte, Besucher – und natürlich all die Dinge, die zum Elsass gehören.


Vor einer Bäckerei blieb ich mit der Kamera hängen. Nicht wegen eines perfekten Fachwerkhauses, sondern wegen der Spiegelungen in der Scheibe. Drinnen wurde gearbeitet, davor spiegelte sich das Leben auf der Strasse – und dazwischen lagen diese wunderbaren elsässischen Kougelhopfs. Ich kann diese übrigens sehr empfehlen.


Solche Szenen mag ich besonders. Sie sind nicht arrangiert. Sie passieren einfach.


Bäckerei in Eguisheim

Wenig später öffnete sich zwischen den engen Gassen der Blick auf das historische Zentrum: Das Château d'Eguisheim. Kirche, Türme, Blumen – und ganz oben die Störche. Auch sie gehören hier irgendwie selbstverständlich zum Ortsbild.


Burg von Eguisheim

Zeit für die Mittagspause

Ein Tagesausflug mit meinen Eltern ist für mich heute etwas Besonderes. Vielleicht nimmt man solche gemeinsamen Tage mit zunehmendem Alter bewusster wahr.

Wir setzten uns zusammen, machten Pause, assen etwas und liessen Eguisheim für eine Weile einfach Eguisheim sein.

Die Kamera lag natürlich trotzdem nicht weit entfernt.



Es sind keine Bilder über Eguisheim. Und trotzdem gehören sie für mich unbedingt in dieses Journal. Denn irgendwann werden es vielleicht gerade solche Fotografien sein, die mehr bedeuten als die perfekte Aufnahme eines Fachwerkhauses.


Noch einmal durch die Gassen

Nach der Mittagspause gingen wir weiter.

Langsam wurde mir bewusst, wie viele unterschiedliche Gesichter dieses kleine Dorf hat. Neben den herausgeputzten Fassaden und den vielen Blumen gibt es auch stille Ecken, in denen kaum jemand unterwegs ist.


Und genau dort zog es mich wieder hin.


Eguisheim

Hier war Eguisheim plötzlich weniger Postkarte. Keine Souvenirläden. Keine dekorierten Fassaden. Nur alte Mauern, kein Kopfsteinpflaster, ein schmaler Weg, etwas Grün und dieses wunderbare Wechselspiel aus Licht und Schatten.


Vielleicht war das sogar das Eguisheim, das mir besonders gefiel.


Ein letzter Blick zurück

Irgendwann verliessen wir die engen Gassen und gingen hinaus in Richtung der Weinberge. Und plötzlich veränderte sich die Perspektive vollständig. Der Ort, der sich während der letzten Stunden aus Fassaden, Fenstern, Pflastersteinen und kleinen Details zusammengesetzt hatte, lag nun als Ganzes vor uns. Zwischen den Reben.


Eguisheim
Ein letzter Blick zurück auf Eguisheim

Etwa 50 Bilder habe ich an diesem Tag gemacht. Keine riesige Ausbeute – und genau das gefällt mir.

Ich musste nicht alles fotografieren.


Ein paar Gassen. Ein paar Fenster. Licht auf einer alten Fassade. Mabel auf dem Kopfsteinpflaster. Meine Eltern bei einer gemeinsamen Pause. Und am Ende dieser Blick über die Reben zurück auf das Dorf.


Manchmal reicht das vollkommen.


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