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Im Reich der Nyalas

  • Autorenbild: Daniel Kneubühl
    Daniel Kneubühl
  • vor 8 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Noch bevor wir East London erreichten, hatte ich etwas Besonderes vor. Die Wettervorhersage versprach einen schönen Sonnenaufgang, und wir wollten uns dieses Schauspiel nicht entgehen lassen.

Also stand ich kurz nach Tagesanbruch auf Deck 10. Doch das eigentliche Wunder geschah noch vor dem Sonnenaufgang. Der Himmel begann sich langsam zu verwandeln. Zarte Rosatöne gingen in kräftiges Orange über, dazwischen violette und rote Farbschleier, die sich über den Horizont legten.


Besonders schön war der Kontrast zwischen den warm leuchtenden Decklampen der Regatta und dem erwachenden Himmel über dem Indischen Ozean. Für einige Minuten schien die Welt stillzustehen. Das Meer lag ruhig unter uns, während sich über dem Horizont ein Farbenmeer entfaltete.


Sonnenaufgang vor East London

Noch bevor die Sonne selbst erschien, war dieser Morgen bereits ein kleines Geschenk. Einer jener Augenblicke, für die es sich lohnt, früh aufzustehen. 🌅


Zwischen Buschland und stillen Begegnungen

Gegen Mittag führte uns ein Car ins Mpongo Private Game Reserve. Schon die Fahrt dorthin war ein kleines Erlebnis für sich. Die Landschaft veränderte sich langsam. Vorbei an grünen Hügeln, kleinen Farmen, weiten Wiesen und verstreuten Häusern führte die Strasse immer tiefer ins ländliche Südafrika. Das Leben wirkt hier ruhiger als in den Städten. Ursprünglicher. Erdverbundener.

Mit jeder Kurve wuchs die Vorfreude auf unsere nächste Safari.


Nach den grossen Tierbegegnungen der vergangenen Tage waren die Erwartungen vielleicht etwas anders. Doch schon bald sollte sich zeigen, dass Safari nicht nur von spektakulären Sichtungen lebt, sondern vor allem von den vielen kleinen Wundern am Wegesrand.


Mpongo Private Game Reserve

Das Mpongo Private Game Reserve gehört nicht zu den ganz grossen und berühmtesten Nationalparks Afrikas – und vielleicht liegt genau darin sein besonderer Reiz.


Rund 35 Kilometer nördlich von East London erstrecken sich etwa 3500 Hektaren Buschland, Savanne, kleine Wasserläufe und sanfte Hügel. Die Landschaft wirkt ursprünglich und unverfälscht. Keine spektakuläre Kulisse, die beeindrucken will, sondern eine Natur, die einfach da ist und ihre eigene Geschichte erzählt.



Besonders faszinierte mich die Vielfalt der Landschaft. Offene Grasflächen wechseln sich mit dichtem Buschland und kleinen Waldstücken ab. Immer wieder öffnet sich der Blick über die Hügel des Eastern Cape. Obwohl das Reservat überschaubar ist, entsteht ein erstaunliches Gefühl von Weite. Irgendwo da draussen bewegen sich Tiere oft fast unsichtbar durch das Dickicht.


Das Reservat ist malariafrei und bekannt für seine vielfältige Tierwelt mit Nashörnern, Giraffen, Zebras, Gnus, verschiedenen Antilopenarten und zahlreichen Vogelarten. Doch unabhängig davon, welche Tiere man tatsächlich entdeckt, macht bereits die Atmosphäre dieser Landschaft den Besuch zu etwas Besonderem.


Und vielleicht beschreibt genau das den Zauber von Mpongo am besten: Man kommt wegen der Tiere – und verliebt sich auch in die Landschaft. 🌿


Die Schönheit der Nyalas

Dieses wunderschöne Nyala-Weibchen faszinierte mich besonders. Nicht nur wegen seines sanften Blicks, sondern auch wegen dieser feinen weissen Zeichnungen auf dem rötlich-braunen Fell.

Die Streifen wirken fast wie mit einem Pinsel gemalt. Elegant. Ruhig. Perfekt.


Nyala Weibchen

Für einen kurzen Moment entstand dieser direkte Blickkontakt. Einer dieser Augenblicke auf Safari, in denen man fast vergisst zu fotografieren und einfach nur staunt. Ich kannte diese Antilopenart bisher noch nicht und bin fasziniert.


Drei Weibchen am Wasserloch

Später begegneten wir drei weiblichen Nyalas am Wasserloch. Ruhig und aufmerksam bewegten sie sich dem Ufer entlang. Immer wieder machten sie kurz Pause, blickten vorsichtig in die Umgebung und gingen dann weiter. Man spürt sofort, wie wachsam Tiere in der Wildnis leben müssen.



Die Männchen folgen

Wenig später tauchte dann auch eines der männlichen Nyalas auf. Während die Weibchen fein und elegant wirken, erscheinen die Männchen deutlich kräftiger. Das dunklere Fell, die langen spiraligen Hörner und die markante Mähne verleihen ihnen eine eindrückliche Präsenz.



Mit ihrem dunkelgrauen Fell und den eleganten Hörnern wirkten sie fast wie kleine Könige des Buschs. Kein Kampf. Kein Imponiergehabe. Einfach drei prächtige Tiere, die ihren Weg durch die Landschaft des Eastern Cape zogen.


Begegnung mit den Zebras

Zebras

Auch auf dieser dritten Safari begegneten uns wieder Zebras. Und jedes Mal faszinieren sie mich aufs Neue.

Besonders spannend finde ich ihre Nähe zu den Pferden. Tatsächlich gehören Zebras zur gleichen Gattung wie Pferde und Esel. Dennoch tragen sie etwas ganz Eigenes in sich. Sie wirken wilder, unabhängiger und ungezähmter.

Als die drei Tiere vor uns standen und uns aufmerksam beobachteten, entstand für einen kurzen Moment dieses typische Safari-Gefühl: gegenseitiges Beobachten.


Gnus – die stillen Wanderer Afrikas

Gnu

Natürlich begegneten wir auch Gnus. Auf den ersten Blick erinnern sie viele Menschen an Wasserbüffel. Auch ich musste kurz genauer hinschauen.

Tatsächlich gehören sie jedoch zu den Antilopen. Mit ihrem kräftigen Körperbau wirken sie urtümlich und robust. Gleichzeitig sind sie erstaunlich schnelle und ausdauernde Tiere.



Der kleine Sänger

vermutlich ein Kaptrupial

Zwischen den dornigen Ästen sass plötzlich ein kleiner Vogel im goldenen Licht, vermutlich ein Kaptrupial. Fast unscheinbar und gerade deshalb wunderschön.


Früher hätte ich auf Safari wahrscheinlich nur auf die grossen Tiere gewartet. Heute faszinieren mich solche stillen Begegnungen genauso. Vielleicht sogar mehr als früher.


Ein Glanzstar im Sonnenlicht

Kapglanzstar

Hoch oben in einem Baum sass ein Kapglanzstar. Von weitem wirkte er beinahe schwarz. Doch als die Sonne sein Gefieder traf, begann es in metallischem Blau und Türkis zu schimmern.

Afrika überrascht mit einem kleinen Farbwunder. Für einen Moment wirkte es, als hätte jemand einen Edelstein zwischen die Äste gesetzt – unscheinbar auf den ersten Blick, aber von faszinierender Schönheit, sobald das Licht ihn berührt.


Die stillen Wunder der Pflanzenwelt



Dornen der Savanne

Auch die Pflanzenwelt im Mpongo Game Reserve erzählt ihre eigenen Geschichten. Zwischen den Büschen entdeckten wir immer wieder diese langen, hellen Dornen, die fast bedrohlich wirken.

Sie schützen die Pflanzen vor hungrigen Pflanzenfressern. Und doch schaffen es beispielsweise Giraffen mit ihrer erstaunlich robusten Zunge, selbst zwischen diesen spitzen Dornen die begehrten Blätter hervorzuholen. Im warmen Licht der afrikanischen Sonne wirkten die weissen Dornen fast wie kleine Kunstwerke der Natur.


Ein lebendes Fossil

Zwischen den Gräsern und Sträuchern entdeckten wir Palmfarne, auch Cycaden genannt. Diese Pflanzen gehören zu den ältesten heute noch existierenden Pflanzengruppen der Welt. Ihre Geschichte reicht mehr als 250 Millionen Jahre zurück.

Unser Ranger erzählte uns etwas, das mich überraschte. Nicht nur Tiere werden in Afrika gewildert. Auch Pflanzen sind bedroht. Gerade Palmfarne gelten bei Sammlern als begehrt und werden immer wieder illegal aus der Natur entnommen und verkauft. Das machte diesen Moment für mich noch eindrücklicher. Vor mir stand nicht einfach eine Pflanze. Vor mir stand ein lebendes Stück Erdgeschichte. Ein Überlebender aus einer Zeit, als Dinosaurier die Welt beherrschten. 🌿🦕


Der Zapfen der Urzeit

Erst beim genaueren Hinsehen entdeckte ich den gewaltigen Zapfen einer Cycade. Fast wirkt er wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Welt. Der grosse Zapfen dient der Fortpflanzung und erinnert eher an einen Nadelbaum als an eine Palme. Genau daran erkennt man, wie ursprünglich diese Pflanzen sind. Während wir die Tiere Afrikas suchten, begegneten wir damit gleichzeitig auch einem lebenden Zeugen der Erdgeschichte.


Der Leberwurstbaum

Zwischen den Bäumen entdeckten wir den berühmten Leberwurstbaum (Kigelia africana). Seine grossen Früchte hängen wie riesige Würste von den Ästen und verleihen ihm seinen ungewöhnlichen Namen.

Solche kleinen Entdeckungen zeigen, dass eine Safari weit mehr ist als nur die Suche nach Tieren. Auch die Pflanzenwelt Afrikas erzählt ihre ganz eigenen Geschichten.


Das wohl gefährlichste Tier des Reservats 😄

Kaninchen im Mpongo Private Game Reserve

Und dann begegneten wir vermutlich dem gefährlichsten Tier des ganzen Mpongo Game Reserves: einem kleinen schwarzen Kaninchen.


Seelenruhig sass es im Gras und liess sich von der ganzen Safari-Aufregung überhaupt nicht beeindrucken.




Jeder Moment ist ein kleines Wunder

Vielleicht haben wir heute nicht die grösste Vielfalt an Tieren gesehen. Keine spektakuläre Löwenjagd. Keine Elefantenherde am Wasserloch.


Und trotzdem war dieser Tag wunderschön.


Denn genau darum geht es auf Safari nicht. Es geht nicht darum, möglichst viele Tiere von einer Liste abzuhaken. Es geht um das Entdecken. Um das Staunen. Um diese besondere Spannung, wenn hinter dem nächsten Busch oder hinter der nächsten Kurve jederzeit eine neue Begegnung warten könnte. Wir bewegen uns hier durch echte Wildnis. Durch die Heimat dieser Tiere. Und jede Begegnung, sei sie noch so klein, fühlt sich wie ein Geschenk an.


Vielleicht ist genau das das grösste Wunder Afrikas. 🦓🌿🦌


… und die Reise geht gemütlich weiter … 🛳️  ..ein letzter Seetag vor Kapstadt




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