Am südwestlichen Ende Afrikas
- Daniel Kneubühl

- vor 19 Stunden
- 5 Min. Lesezeit
Kapstadt 🇿🇦
Heute Morgen um sechs Uhr glitt die Oceania Regatta langsam in den Hafen von Kapstadt.
Es war noch dunkel. Die Lichter der Stadt spiegelten sich auf dem Wasser, während die ersten Konturen der Küste sichtbar wurden. Über allem zeichneten sich der Tafelberg und der Lion’s Head als dunkle Silhouetten gegen den langsam heller werdenden Himmel ab.

Ein besonderer Moment.
Nicht nur, weil Kapstadt zu den schönsten Städten der Welt gehört. Sondern auch, weil wir wussten, dass dies unser letzter voller Tag dieser aussergewöhnlichen Kreuzfahrt sein würde. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zu einem Ort, den ich schon lange wiedersehen wollte.
Zum Kap der Guten Hoffnung.
Auf dem Weg zum Kap
Die Fahrt entlang der Küste war bereits ein Erlebnis für sich. Immer wieder hielten wir an Aussichtspunkten an. Tief unter uns schlugen die Wellen gegen die Felsen. Der Atlantik leuchtete in unzähligen Blautönen, während die Strassen sich durch eine Landschaft schlängelten, die gleichzeitig rau und wunderschön wirkte.
Je weiter wir nach Süden fuhren, desto mehr entstand dieses Gefühl, sich dem Ende eines Kontinents zu nähern. Einem Ort, der seit Jahrhunderten Seefahrer, Entdecker und Reisende fasziniert.
Das Kap der Guten Hoffnung
Als wir beim berühmten Schild des Kaps ankamen, fühlte es sich fast ein wenig vertraut an.
Ich war bereits einmal hier gewesen. Und doch war dieser Ort genauso eindrücklich wie damals.
Das Kap der Guten Hoffnung erhielt seinen Namen Ende des 15. Jahrhunderts durch den portugiesischen König Johann II. Ursprünglich hatte der Entdecker Bartolomeu Dias das Kap wegen seiner oft stürmischen Bedingungen „Kap der Stürme“ genannt. Der König entschied sich jedoch für den hoffnungsvolleren Namen „Kap der Guten Hoffnung“, weil hier erstmals ein Seeweg nach Indien möglich schien.
Ein Name voller Aufbruch und Zuversicht.
Während wir das berühmte Schild fotografierten, beobachteten uns einige Strausse ganz aufmerksam. Fast schien es, als würden sie sich über die vielen Menschen wundern, die sich an diesem besonderen Ort verewigen wollten.
Der Wind wehte kräftig über die Felsen. Unter uns schlugen die Wellen gegen die Küste.
Und für einen Moment blieb einfach nur dieses Gefühl von Weite.
Cape Point – Zwischen Himmel und Meer
Wenig später erreichten wir Cape Point. Mit der kleinen Standseilbahn fuhren wir zunächst den ersten Teil des Hügels hinauf. Doch ganz oben angekommen warteten immer noch gefühlt fünfhundert Treppenstufen auf uns. Schritt für Schritt ging es weiter hinauf.

Der berühmte Leuchtturm von Cape Point wurde 1860 erbaut. Allerdings stellte sich später heraus, dass seine Lage oft von Nebel umhüllt wurde und er deshalb für die Schifffahrt nicht ideal war. Heute befindet sich der eigentliche aktive Leuchtturm deutlich tiefer an den Klippen.

Die Aussicht von oben war schlicht spektakulär.
Vor uns erstreckte sich die endlose Küstenlinie der Kap-Halbinsel. Links der Atlantik, rechts die False Bay. Die Wellen zeichneten helle Linien auf die Wasseroberfläche, während die Felsen weit unten fast klein wirkten.
Es war einer dieser Ausblicke, die man eigentlich kaum fotografieren kann. Weil keine Kamera die Grösse und die Stimmung wirklich festhalten kann.

Der blaue Wächter
Ein schimmernder Farbtupfer im Busch
Zwischen den trockenen Ästen entdeckte ich diesen faszinierenden Glanzstar. Sein Gefieder wirkte beinahe wie poliertes Metall und wechselte je nach Lichteinfall zwischen tiefem Blau und Schwarz.
Erst auf den zweiten Blick bemerkte ich die leuchtend roten Augen.
Wieder so ein Moment, der zeigt, dass Afrikas Tierwelt nicht nur aus den grossen Tieren besteht, sondern auch aus den kleinen, oft übersehenen Schönheiten. 🐦✨
Mittagspause am Boulders Beach
Nach so vielen Eindrücken meldete sich langsam der Hunger. Direkt beim Boulders Beach fanden wir ein gemütliches Restaurant mit Blick auf die Bucht. Es gab feinen Fisch, knusprige Calamaris und dazu ein lokales südafrikanisches Bier.
Ein einfaches Mittagessen. Und genau deshalb perfekt. Während draussen die Sonne über dem Meer stand, genossen wir diesen Moment der Ruhe.
Die Afrikanischen Pinguine
Dann folgte eines der schönsten Erlebnisse des Tages: Die Afrikanischen Pinguine.
Es fühlt sich immer noch etwas ungewohnt an, Pinguine in Afrika zu sehen. Doch genau hier, an den Stränden von Boulders Beach, lebt eine der bekanntesten Kolonien dieser faszinierenden Tiere.
Afrikanische Pinguine sind die einzige Pinguinart des afrikanischen Kontinents. Früher lebten Millionen von ihnen entlang der Küsten Südafrikas und Namibias. Heute gelten sie leider als stark gefährdet. Überfischung, Umweltveränderungen und der Verlust von Lebensräumen haben ihre Bestände drastisch reduziert.
Wenn man sie beobachtet, versteht man sofort, weshalb sie so viele Menschen begeistern.
An Land wirken sie fast etwas unbeholfen. Sie watscheln über die Wege, diskutieren lautstark miteinander und scheinen manchmal ständig leicht beschäftigt zu sein.
Doch sobald sie ins Wasser gleiten, verwandeln sie sich.
Plötzlich werden sie zu eleganten und schnellen Schwimmern, die mit beeindruckender Leichtigkeit durch die Wellen schiessen.
Wir standen lange an den Holzstegen und schauten ihnen zu. Und dann entdeckten wir plötzlich etwas ganz Besonderes. Versteckt zwischen den Büschen sass eine Pinguin-Mama mit ihren zwei Jungen.
Allerliebst.

Die beiden Kleinen kuschelten sich dicht an ihre Mutter. Immer wieder reckten sie neugierig ihre Köpfe nach oben.
Es war einer dieser stillen Momente, die man nicht planen kann. Und vielleicht gerade deshalb so tief im Herzen behält. Tiere haben die besondere Fähigkeit, uns für einen Augenblick alles andere vergessen zu lassen. Uns geht es jedenfalls so.
Genau so ein Moment war das.
Der botanische Garten von Kirstenbosch
Unsere letzte Station führte uns zum berühmten Botanischen Garten von Kirstenbosch. Am Fuss des Tafelbergs gelegen, zählt er zu den schönsten botanischen Gärten der Welt. Gegründet wurde er bereits 1913, um die einzigartige Pflanzenwelt Südafrikas zu schützen und zu präsentieren. Als wir ankamen, begann das Licht bereits langsam weicher zu werden.
Die Abendstimmung legte sich über die weitläufige Anlage.
Während unseres einstündigen Spaziergangs entdeckten wir eine beeindruckende Vielfalt an Pflanzen, Blumen, Proteas und Bäumen. Immer wieder öffneten sich neue Perspektiven auf den Tafelberg, der über dem Garten zu wachen schien. Und ich hätte noch stundenlang in diesem wunderschönen Garten spazieren und staunen können.
Es war ein ruhiger Abschluss eines erlebnisreichen Tages.
Kein grosses Spektakel.
Keine Hektik.
Einfach Natur.
Bei Vollmond.
Und genau deshalb wunderschön.
Der letzte Abend an Bord
Gegen halb sieben erreichten wir müde, aber glücklich wieder die Oceania Regatta. Nun wartete noch eine letzte Aufgabe.
Koffer packen.
Ein merkwürdiger Moment. Wochenlang war diese Kabine unser Zuhause gewesen. Hier hatten wir geschlafen, gelesen, geschrieben, fotografiert und geträumt. Und nun sollte morgen alles zu Ende sein.
Später gingen wir ein letztes Mal in den Grand Dining Room. Ein letztes Abendessen. Ein letztes Mal die vertrauten Gesichter der Crew. Ein letztes Mal dieses besondere Gefühl, Teil dieser kleinen schwimmenden Welt zu sein.

Schön war’s.
Sehr schön sogar.
Und ja, ein wenig Wehmut ist da.
Denn morgen früh verlassen wir die Oceania Regatta.
Unsere grandiose Mini-Weltreise geht zu Ende.
Doch die Erinnerungen werden bleiben.
Noch lange - für immer. ❤️
… das Abenteuer Kapstadt geht weiter













































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