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Zwischen Wildnis und Staunen

  • Autorenbild: Daniel Kneubühl
    Daniel Kneubühl
  • vor 40 Minuten
  • 5 Min. Lesezeit

Vier Safaris. Vier Welten. Und die Erkenntnis, dass die grössten Begegnungen oft die stillsten sind.

Wir sind nun auf dem Weg nach Kapstadt. Morgen früh erreichen wir Kapstadt. Dort erwartet uns noch ein letzter Ausflug – hinunter zum Kap der Guten Hoffnung und zu den Pinguinen von Boulders Beach. Doch am Sonntag werden wir die Oceania Regatta verlassen und diese aussergewöhnliche Reise geht endgültig zu Ende.


Ein seltsames Gefühl.


Einerseits freue ich mich auf zuhause. Auf vertraute Orte, auf unsere Tiere Mabel, Sämi und Spicy, auf unsere lieben Menschen und darauf, all die Erlebnisse in Ruhe nachklingen zu lassen. Andererseits schwingt auch etwas Wehmut mit.


Einen ganzen Monat lang war die Regatta unser Zuhause. Tag für Tag brachte sie uns zu neuen Orten. Insgesamt besuchten wir 16 Destinationen in 8 Ländern, erlebten unzählige Begegnungen und sammelten Geschichten, die uns noch lange begleiten werden. Und nun rückt das Ende dieser kleinen Weltreise langsam näher.


Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, noch einmal zurückzublicken. Nicht auf die Städte.

Nicht auf die Strände. Nicht auf die Tempel oder Märkte. Sondern auf jene Erlebnisse, die mich auf dieser Reise ganz besonders berührt haben:


Die vier Safaris.

Vier völlig unterschiedliche Landschaften. Viermal früh aufstehen. Viermal die Kamera bereitlegen. Viermal dieses Gefühl, dass hinter der nächsten Kurve etwas Besonderes warten könnte. Und doch war jede dieser Safaris mehr als die Suche nach Tieren. Sie war eine Begegnung mit dem Leben selbst.


Erinnerungen an Botswana

Während dieser Reise musste ich immer wieder an Botswana denken. An jene Safaris, die ich vor vielen Jahren erleben durfte. Damals sagten mir erfahrene Afrika-Reisende, dass Botswana zu den schönsten Safari-Destinationen überhaupt gehöre. Dass insbesondere die riesigen Reservate und Camps von Wilderness Safaris kaum zu übertreffen seien.


Leopard in Botswana
Leopard in Botswana, dieses Bild habe ich im Sept. 2011 aufgenommen

Und tatsächlich: Vieles davon stimmt. Die Wildnis schien grenzenlos. Die Tierdichte war überwältigend. Oft sassen wir nur zu viert in einem offenen Jeep. Jeder sprach leise. Man hörte den Wind, die Vögel oder einfach gar nichts. Diese Stille gehörte damals genauso zum Erlebnis wie die Tiere selbst.

Auf dieser Reise war manches anders.


Die Jeeps waren häufig voll besetzt. Zehn Personen oder mehr. Oft wurde geredet, diskutiert und kommentiert. Gerade einige Gäste schienen jede Beobachtung sofort miteinander teilen zu müssen. Manchmal fehlte mir die Ruhe, die ich von früher kannte. Und doch wäre es unfair, ständig zu vergleichen. Denn jede Safari hat ihren eigenen Charakter.


Botswana war Botswana. Sri Lanka war Sri Lanka. Und Afrika zeigte sich diesmal auf eine andere Art.

Vielleicht etwas weniger exklusiv. Vielleicht etwas weniger spektakulär. Aber nicht weniger wertvoll.

Denn auch diese vier Safaris haben mir unvergessliche Momente geschenkt.


Die grossen Begegnungen

Die Nashörner.

Diese gewaltigen Tiere wirken auf Fotos oft mächtig. In Wirklichkeit sind sie noch viel beeindruckender. Wenn ein Nashorn wenige Meter entfernt ruhig durch die Landschaft zieht, spürt man plötzlich, wie klein man selbst ist.

Die Giraffen.

Für mich gehören sie zu den elegantesten Tieren überhaupt. Ihre Bewegungen wirken fast schwerelos. Als würden sie nicht einfach gehen, sondern durch die Landschaft gleiten.

Die Zebras.

Mit ihren unverwechselbaren Mustern, die doch bei jedem Tier einzigartig sind.

Die Flusspferde.

Die Strausse.

Die Gnus.

Die Elefanten.

Und all die anderen Bewohner dieser faszinierenden Welt. Und doch waren es nicht die Tiere allein, die mich beeindruckten. Es war die Tatsache, ihnen in ihrer Welt begegnen zu dürfen. Für einen kurzen Moment Gast zu sein in einer Landschaft, die ihnen gehört. Eine Landschaft, die schon lange vor uns da war und hoffentlich noch lange nach uns bestehen wird.



Die Schönheit der kleinen Momente

Doch je länger ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir bewusst, dass die eigentlichen Geschenke dieser Safaris oft ganz woanders lagen.

In den kleinen Momenten.

Im Affenjungen, das sich eng an seine Mutter klammerte.

Im Blick eines Vogels.

Im Geräusch des Windes im Gras.

In einem einzelnen Tier am Horizont.

Oder einfach im Licht.

Vielleicht ist das auch eine Folge des Älterwerdens.

Denn schon auf meiner Botswana-Reise fotografierte ich nicht nur die grossen Tiere. Schon damals faszinierten mich die Vögel, die kleinen Begegnungen und die stillen Szenen am Rand des Geschehens.

Und doch habe ich das Gefühl, dass sich mein Blick weiter verändert hat.

Heute verspüre ich weniger den Wunsch, etwas Besonderes zu entdecken.

Heute genügt es mir oft, einfach beobachten zu dürfen.

Die Natur schuldet uns nichts.

Sie führt keine Vorstellung für uns auf.

Sie ist einfach da.

Echt.

Unverfälscht.

Und genau darin liegt ihre Schönheit.



Wenn die Welt für einen Moment still wird

Noch etwas habe ich auf diesen vier Safaris gespürt.

Während ich die Tiere beobachtete, richtete sich meine ganze Aufmerksamkeit auf sie. Nicht auf Nachrichten. Nicht auf die Sorgen dieser Welt. Nicht auf die kleinen Gedanken, die uns im Alltag manchmal beschäftigen. Nur auf diesen Moment.


Auf das Nashorn, das langsam durch das hohe Gras zieht. Auf die Giraffe am Horizont. Auf den Vogel, der geduldig auf einem Ast sitzt. Auf das Affenjunge, das sich an seine Mutter klammert.


Impala Weibchen
Impala Weibchen

Tiere haben mich schon immer fasziniert. Wildtiere ganz besonders. Doch auf dieser Reise hatte ich das Gefühl, dass diese Faszination noch einmal gewachsen ist. Vielleicht, weil ich heute genauer hinschaue.

Vielleicht, weil ich mir mehr Zeit nehme. Vielleicht aber auch, weil Tiere etwas Ehrliches in sich tragen. Sie sind einfach, was sie sind. Ohne Masken. Ohne Rollen. Ohne Absichten. Wenn ich sie beobachte, bin ich ganz bei ihnen. Und gleichzeitig ganz bei mir selbst.


Mehr als nur Wildnis

Diese Stunden in der Wildnis waren deshalb weit mehr als schöne Ausflüge. Sie waren kleine Inseln der Ruhe. Momente, in denen die Welt für einen Augenblick leiser wurde. Momente, in denen das Elend dieser Welt, die täglichen Schlagzeilen und auch die eigenen kleinen Sorgen in den Hintergrund rückten.

Nicht weil sie verschwunden wären. Sondern weil etwas anderes wichtiger wurde.


Das Staunen. Das Beobachten. Das Leben im Hier und Jetzt. Gleichzeitig blieb da auch ein anderer Gedanke. Die Sorge, dass wir Menschen diesen wunderbaren Geschöpfen immer mehr Lebensraum nehmen. Dass die Wildnis vielerorts kleiner wird. Dass die Rückzugsorte, die seit Jahrtausenden den Tieren gehören, immer stärker unter Druck geraten. Vielleicht haben mich diese Safaris deshalb auch berührt. Weil sie mir gezeigt haben, wie wertvoll diese Welt ist. Und wie wichtig es ist, dass sie bleiben darf.

Giraffe

Für die Nashörner.

Für die Giraffen.

Für die Elefanten.

Für die Vögel.

Und für all die anderen stillen Bewohner dieser Erde, die keinen Einfluss haben auf das, was wir Menschen entscheiden. Ausser uns immer wieder daran zu erinnern, wie schön, wie verletzlich und wie schützenswert unsere Welt eigentlich ist.


Mit den Augen eines Fotografen

Als Fotograf habe ich auf diesen Safaris wieder im Besondern auf etwas geachtet, das mich schon seit vielen Jahren begleitet.


Hippo Mutter mit Jungtier
Hippomutter mit Jungtier

Das Bild entsteht nicht erst, wenn ich auf den Auslöser drücke. Es entsteht viel früher. Im Beobachten. Im Warten. Im Wahrnehmen. Im bewussten Hinschauen.


Viele meiner Lieblingsbilder dieser Reise zeigen deshalb gar keine spektakulären Szenen. Sie zeigen Augenblicke. Kleine Geschichten. Stimmungen. Bilder, die vielleicht erst beim zweiten Hinschauen ihre Wirkung entfalten. So wie die Safaris selbst.


Dankbarkeit

Heute, am letzten Seetag vor Kapstadt, denke ich an all diese Begegnungen zurück.


Zebras
Zebras im Tala Game Reserve

An Sri Lanka.

An Afrika.

An die Tiere.

An die Menschen.

An die Landschaften.

Und ich spüre vor allem eines:


Dankbarkeit.


Dankbarkeit dafür, dass wir diese Welt bereisen dürfen.

Dankbarkeit dafür, dass es solche Orte noch gibt.

Und Dankbarkeit dafür, dass ich sie mit meiner Kamera festhalten durfte.


Vier Safaris. Vier Welten. Unzählige Erinnerungen.

Und die Erkenntnis, dass die grössten Begegnungen oft nicht die "lautesten", sondern die "stillen" sind.

Jene Momente, in denen man schaut und einfach nur staunt. 🦒 🦓 🦏 🦛


… und die Reise geht gemütlich weiter … 🛳️  ..auf dem Weg nach Kapstadt


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