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Mehr als 43mm - der Crop-Modus der Leica Q3 43

  • Autorenbild: Daniel Kneubühl
    Daniel Kneubühl
  • vor 5 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Wie der Crop-Modus meiner Leica Q3 43 neue Perspektiven eröffnet


Zähringerbrunnen in der Kramgasse in Bern - Crop-Modus 150mm, mit der Leica Q3 43
Crop auf 150mm eingestellt

Als ich meine Leica Q3 43 gekauft habe, war mir klar: 43 mm ist eine wunderbare Brennweite. Natürlich. Ruhig. Fast wie das menschliche Sehen. Was ich mir damals noch nicht so bewusst war: Diese Kamera würde mir bald mehrere Brennweiten schenken.


Nach inzwischen über tausend Bildern mit der Q3 43 habe ich eine Funktion besonders schätzen gelernt – den Crop-Modus. Anfangs habe ich ihn nur gelegentlich benutzt. Heute setze ich ihn fast selbstverständlich ein. Gerade an der Fasnacht in Basel habe ich ihn rege genutzt.


Nicht als Notlösung, sondern als kreatives Werkzeug. Und ich habe den Crop-Modus lieben gelernt.



Eine Kamera – mehrere Brennweiten

Der 60-Megapixel-Sensor der Kamera erlaubt es, das Bildfeld elektronisch zu verkleinern, ohne dass die Bildqualität sofort leidet.


Aus den ursprünglichen 43 mm entstehen so zusätzliche Bildausschnitte:

  • 43 mm – das Originalbild

  • 60 mm – leichter Tele-Look

  • 75 mm – ideal für Details

  • 90 mm – konzentrierter Bildausschnitt

  • 120 mm – enger Blick

  • 150 mm - sehr enger Blick


Plötzlich wird aus einer Kamera mit Festbrennweite ein kleines Mehrbrennweiten-System. Natürlich bleibt es technisch ein Crop. Aber in der Praxis fühlt es sich oft wie ein anderes Objektiv an.



Der grosse Vorteil: Fotografieren statt Objektive wechseln

Gerade unterwegs liebe ich diese Möglichkeit.


Wenn ich mit der Kamera durch Bern gehe – sei es im Bahnhof, in der Altstadt oder auf Reisen – muss ich nicht überlegen, welches Objektiv ich montieren sollte.


Ich bleibe einfach bei meiner Perspektive und entscheide erst im Moment der Aufnahme:


  • etwas näher dran

  • etwas enger

  • oder wieder weit zurück


Ein Druck auf die Crop-Taste – und der Bildausschnitt verändert sich. Der Moment bleibt.



Warum ich den Crop-Modus so liebe

Nach vielen Bildern haben sich für mich einige klare Vorteile gezeigt.


  • Geschwindigkeit: Ich kann sofort reagieren. Gerade bei Street- oder Reportagefotografie ist das Gold wert.


  • Konzentration auf das Motiv: Der Crop hilft mir oft, ein Bild bewusst zu vereinfachen. Störende Elemente verschwinden, das Motiv wird stärker. Dies wird gerade auch bei meinem Beispiel weiter unten deutlich.


  • 3. Leichtes Reise-Setup: Eine Kamera. Eine Brennweite. Und trotzdem mehrere Möglichkeiten.



Aber es gibt auch Grenzen

Natürlich hat der Crop-Modus auch Nachteile. Je stärker der Crop, desto kleiner wird die effektive Auflösung. Die Auflösung verkleinert sich in etwa so:

  • 43 mm: ca. 60 MP

  • 60 mm: ca. 31 MP

  • 75 mm: ca. 19 MP

  • 90 mm: ca. 13 MP

  • 120 mm: ca. 7 MP

  • 150 mm: ca. 5 MP


Für viele Anwendungen ist das immer noch mehr als genug. Aber es ersetzt natürlich kein echtes Teleobjektiv.



Crop vs. Perspektive

Technisch gesehen entspricht der Crop einfach einem späteren Zuschneiden des Fotos, ausser, ich verändere die Perspektive. Die Perspektive wird ausschliesslich durch meinen Standort bestimmt – also durch die Position der Kamera im Raum.


Wenn ich mit meiner Leica Q3 43:

  • am gleichen Ort stehen bleibe

  • und nur den Crop-Modus wechsle


dann passiert Folgendes:

  • Die Geometrie im Bild bleibt identisch

  • Die Abstände zwischen Vorder- und Hintergrund wirken gleich

  • Nur der Ausschnitt wird enger


Das ist der Crop-Modus.



Crop-Beispiele

Selbst im 120- oder 150-mm-Modus bleibt noch genügend Auflösung für erstaunlich grosse Prints. Für ein Fotobuch oder einen A4-Print reicht die Qualität locker – und selbst ein Wandbild ist noch möglich.


So sehen nun der Crop-Modus mit den 5 Stufen und er Originalbrennweite an einem konkreten Sujet aus. Gewählt habe ich dazu den Zähringerbrunnen in der Kramgasse in Bern, mit dem Zytglogge im Hintergrund.



So sieht man sehr gut, wie sich Bildwirkung und Komposition verändern. Manchmal wirkt ein Bild erst im engeren Ausschnitt richtig stark. Manchmal ist gerade das weite Bild das spannendere.


Der Crop-Modus ist deshalb für mich nicht einfach eine technische Funktion. Er ist ein Werkzeug für die Bildgestaltung.


5 Megapixel bei 150mm – was bedeutet das konkret?

Beim 150-mm-Crop der Leica Q3 43 bleibt ungefähr eine Auflösung von rund 2600 ×1700 Pixeln übrig (ungefähr 5 MP). Meistens genügt dies für die Verwendung. Manchmal wünscht man sich aber auch einen schönen Druck. Die mögliche Druckgrösse hängt davon ab, wie viele dpi (dots per inch) der Druck hat.


Hochwertiger Fotodruck (300 dpi)

  • ca. 22 x 14 cm

  • Postkarten- oder kleines Fotobuchformat



Sehr guter Fotodruck (240 dpi)

  • ca. 27 × 18 cm

  • Das ist schon fast A4 in etwas kleinerem Format.



Wandbild / Betrachtungsdistanz (150 dpi)

Bei grösseren Prints schaut man automatisch aus grösserer Distanz.


Dann sind problemlos möglich:

  • ca. 44 × 29 cm


Viele grosse Fotoprints werden tatsächlich mit 150-180 dpi gedruckt.


Crop

Auflösung

Gute Druckgrösse

43mm

60 MP

sehr grosse Prints

60mm

31 MP

Poster / Ausstellungen

75 mm

20 MP

grosse Wandbilder

90 mm

15 MP

A2 problemlos

120 mm

7 MP

A4, und A3 sehr gut

150 mm

5 MP

Postkarte, etwas kleiner als A4



Crop in meiner Praxis


Der 120-mm-Crop – der Sweet Spot

Während die stärkeren Crops der Kamera vor allem als Reserve gedacht sind, hat sich für mich eine Stufe als besonders interessant erwiesen: der 120-mm-Crop.


Da bleiben noch rund 7 Megapixel übrig – genug für hochwertige Prints bis etwa A4 und für grössere Bilder mit etwas Betrachtungsdistanz. Gleichzeitig verändert sich der Bildausschnitt deutlich. Das Motiv rückt näher, störende Elemente verschwinden und die Komposition wird oft klarer. Für mich fühlt sich dieser Crop fast wie ein kleines Teleobjektiv an – ohne die Kamera zu wechseln oder den Moment zu verlieren.


Warum er fotografisch so gut funktioniert

Der 120-mm-Crop liegt in einem Bereich, in dem mehrere Dinge zusammenkommen:

  • genügend Auflösung für hochwertige Bilder

  • deutlich konzentrierter Bildausschnitt

  • weiterhin natürliche Perspektive der 43 mm

Gerade bei Details, Architektur oder spontanen Situationen ist das eine sehr angenehme Kombination.


Eine kleine persönliche Erkenntnis

Nach vielen Bildern mit der Kamera habe ich gemerkt: Den 60- und 75-mm-Crop nutze ich häufig für leichte Anpassungen der Komposition. Der 120-mm-Crop dagegen kommt zum Einsatz, wenn ein Bild wirklich nach Fokus und Verdichtung verlangt. Manchmal genügt genau dieser Schritt näher –und plötzlich wird aus einer Szene ein Bild.



Eine Festbrennweite – und doch mehr

Mein persönlicher Schlussgedanke


Ich habe mich bewusst für die Leica Q3 43 entschieden, weil ich Festbrennweiten liebe. Und gerade diese 43mm haben es mir angetan. Eine feste Brennweite zwingt einen dazu, genauer hinzusehen. Sich zu bewegen. Den Bildausschnitt aktiv zu suchen.


Der Crop-Modus verändert diese Philosophie nicht. Aber er erweitert sie. Er erlaubt mir, ein Motiv noch einmal neu zu betrachten – etwas näher, etwas konzentrierter. Und das alles, ohne den Moment zu verlieren. Und ich kann natürlich die Perspektive verändern.


Nach über tausend Bildern mit dieser Kamera weiss ich: Der Crop-Modus ist für mich kein technischer Trick. Er ist einfach ein weiteres Werkzeug der Bildgestaltung.


Und manchmal reicht genau ein kleiner Schritt näher – damit aus einem guten Bild ein starkes wird.


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