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Zwischen Decks und Details

  • Autorenbild: Daniel Kneubühl
    Daniel Kneubühl
  • vor 4 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Unser Schiff: die Oceania Regatta

Es gibt diese Tage auf See, an denen die Zeit langsamer wird.Das Meer zieht ruhig vorbei, irgendwo zwischen Himmel und Horizont. Keine Hektik. Kein Ziel, das sofort erreicht werden muss. Nur dieses sanfte Gefühl des Unterwegsseins.


Heute nehme ich euch mit auf eine etwas andere Schiffsführung durch unser Zuhause auf Zeit: die Oceania Regatta. Nicht mit klassischen Touristenbildern. Nicht mit perfekt inszenierten Ferienmomenten. Sondern mit meinem Blick. Mit Licht. Mit Linien. Mit Ruhe.


Zum ersten Mal auf dieser Reise habe ich dafür bewusst zur Leica M EV1 gegriffen. Das Spiel zwischen Schärfe und Unschärfe. Das manuelle Sehen. Das langsame Fotografieren. Gerade auf einem Schiff voller Menschen wollte ich nicht die Menschen zeigen, sondern die Stimmung. Die Formen. Die stillen Momente zwischen den Decks. Ich habe deshalb früh morgens fotografiert, zwischendurch, manchmal fast heimlich. Dann, wenn die Gänge leer waren und das Schiff fast wirkte, als würde es nur für sich selbst existieren.


Kommt mit auf meinen Rundgang durch die Regatta.


Vierte Etage – das Herz der Organisation

Hier schlägt gewissermassen das organisatorische Herz des Schiffes.


Die Reception, der Executive Concierge, das Medical Center und die Destination Services befinden sich auf diesem Deck. Eine Art Hotellobby auf See. Gäste kommen und gehen, Ausflüge werden organisiert, Fragen beantwortet, Probleme gelöst.


Auch einige Kabinen befinden sich hier. Und meistens betreten oder verlassen wir auf dieser Etage das Schiff, wenn wir in einem Hafen anlegen.


Mich faszinieren dabei weniger die Funktionen als die Atmosphäre. Dieses Zusammenspiel aus Teppichen, Licht, Messing, Holz und den langen Sichtachsen eines Kreuzfahrtschiffs. Alles wirkt elegant. Fast ein wenig zeitlos.



Fünfte Etage – Begegnungen und Genuss

Im Heck liegt die Regatta Lounge. Hier finden am Abend die Aufführungen statt. Musik. Unterhaltung. Begegnungen. Und hier würden wir uns im Ernstfall auch mit Schwimmwesten einfinden – ein Gedanke, der einem auf dem offenen Meer durchaus kurz durch den Kopf gehen kann.


In der Mitte des Decks wird es lebendiger. Boutiquen. Die Martinis Bar. Das Casino, das sie für meinen Geschmack durchaus hätten weglassen dürfen. Dafür spielt oft eine kleine Kammermusik-Gruppe und verleiht dem Raum eine fast klassische Eleganz.


Besonders mag ich den Bereich rund um den Baristas. Ein feiner italienischer Kaffee oder ein Frozen Coffee mitten auf dem Meer hat irgendwie seinen ganz eigenen Zauber. Dahinter öffnet sich der Grand Dining Room – grosszügig, stilvoll und voller kleiner Fine-Dining-Momente.



Über die Kulinarik werde ich aber noch ein eigenes Journal schreiben. Das hätte definitiv genügend Geschichten verdient.


Die Gästedecks – sechste bis achte Etage

Hier wohnen wir.

Lange Gänge. Ruhige Türen. Gedämpftes Licht. Und irgendwo tief unten das leise Arbeiten der Motoren. Viel habe ich hier bewusst nicht fotografiert. Keine Kabinen. Keine Menschen. Kein touristischer Blick hinter die Türen.


Mich faszinierte vielmehr diese langen Korridore. Die Linien. Die Symmetrie. Das Licht. Fast wie eine Filmszene irgendwo zwischen Realität und Traum. Gerade dort begann für mich das Spannende mit der Leica M EV1. Vielleicht - bewusst - nicht alles perfekt scharf. Vielleicht nicht alles dokumentarisch korrekt. Sondern Bilder, die eher Stimmung transportieren als Informationen.



Neunte Etage – Meer, Wind und Bewegung

Hier öffnet sich das Schiff nach draussen. Der Poolbereich mit den Liegen. Die Waves Bar. Menschen mit Sonnenbrillen, Bücher, Wind und Meeresrauschen.


Dazu das Spa und der Fitnessraum – Orte für Wellness, Ruhe oder Bewegung mitten auf dem Ozean.

Kulinarisch befinden sich hier das Waves Grill und das Terrace Café mit seiner grossen Terrasse Richtung Heck. Gerade morgens ist dieser Ort wunderschön. Kaffee in der Hand. Salzige Luft. Der Blick nach hinten auf das endlose Meer. Es sind diese einfachen Momente, die man überraschend lange in Erinnerung behält.



Zehnte Etage – mein Lieblingsort

Ganz vorne befindet sich das Horizons. Ein grosser Aufenthaltsraum mit beinahe 180-Grad-Blick aufs Meer. Hier trinken Menschen früh morgens ihren ersten Kaffee, lesen Bücher, lösen Puzzles oder schauen einfach schweigend hinaus. Ich glaube, genau hier versteht man am besten, was eine Seereise eigentlich ausmacht. Nicht das Ankommen. Sondern das Unterwegssein.



Auf der Heckseite liegen die beiden Spezialitätenrestaurants Polo Grill und Toscana. Orte für kulinarische Reisen innerhalb der eigentlichen Reise. Und dann gibt es noch die Bibliothek. Kleine gemütliche Sessel. Bücher. Ruhe. Fast wie aus einer anderen Zeit.



Bug und Heck sind über die Walking-Strecke verbunden, jeweils auf Backbord- und Steuerbordseite. Gerade bei Sonnenaufgang oder am Abend gehe ich dort besonders gerne entlang. Das Meer neben einem. Der Wind. Die Bewegung des Schiffes. Und irgendwo zwischen all dem entsteht dann plötzlich dieses Gefühl von Freiheit.


Aktuell schiffts und windets. Entsprechend schaukelt es auch ein bisschen. Da erinnere ich mich gerne an den wunderschönen Sonnenuntergang gestern am frühen Abend.


Sonnenuntergang im Golf von Bengalen
Sonnenuntergang im Golf von Bengalen

Einige Kennzahlen der Oceania Regatta


Captain und Staff-Captain
Captain und Staff-Captain beim Andocken in Phuket, Thailand
  • Crew: 410

  • Passagiere: 656

  • Gäste-Crew-Ratio: 1.71 : 1

  • Passagierdecks: 9

  • Total Decks: 11

  • Restaurants: 4

  • Kabinen: 342

  • Flagge: Marshall Islands

  • Länge: 180.45 Meter

  • Breite: 25.46 Meter

  • Tiefgang: 5.92 Meter

  • Tonnage: 30’277 Tonnen

  • Geschwindigkeit: 18 Knoten

  • Antrieb: 2 Diesel-elektrische Motoren, 4 Wärtsilä-Schiffsmotoren

  • Bugstrahlruder: 2 × 750 KW

  • Stabilisierung: 2 ausfahrbare Finnen

  • Werft: Chantier d’Atlantique, St. Nazaire, Frankreich

  • Baujahr: 1998

  • Renovierung: 2019



Dieses Schiff ist kein schwimmender Gigant. Und genau das gefällt mir. Die Regatta wirkt persönlicher. Ruhiger. Fast ein wenig wie aus einer anderen Kreuzfahrt-Zeit. Kein Spektakel. Kein Dauerprogramm. Sondern Eleganz, Ruhe und dieses wunderbare Gefühl, wirklich unterwegs zu sein.


Vielleicht habe ich genau deshalb heute versucht, nicht einfach ein Kreuzfahrtschiff zu fotografieren.

Sondern ein Gefühl. 

… und die Reise geht leise weiter … 🛳️ … nach Sri Lanka



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