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Zwischen Regen und Stille – Penang und der Kek Lok Si Tempel

  • Autorenbild: Daniel Kneubühl
    Daniel Kneubühl
  • 4. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Mai


Es gibt Tage, die beginnen nicht spektakulär. Und werden genau deshalb besonders. Schon beim Start unseres Ausflugs auf den Penang Hill öffnete der Himmel seine Schleusen. Kein sanfter Tropfen. Kein kurzer Schauer. Es hat geschüttet! 🌧️


Penang Hill



Die kleine Bahn kämpfte sich dennoch ruhig den Hang hinauf, durch dichten, tropischen Wald, vorbei an nassen Blättern, die im Regen glänzten. Oben angekommen: Nebel. Wolken. Regen. Und wir nass.


Die Sicht? Mittelmässig.

Das Gefühl? Unerwartet gut.


Und doch gab es Momente, in denen sich der Vorhang kurz öffnete. Dann lag Penang unter uns.



Weit. Lebendig. Vielschichtig.


Die Insel, verbunden mit dem Festland durch die lange Penang Brücke, die sich wie ein feiner Strich durch das Wasser zieht. Hochhäuser, die aus dem Grün herausragen. Dazwischen immer wieder Palmen, Hügel, das Meer.


Eine Stadt zwischen Moderne und Geschichte.

Zwischen Dichte und Weite.


Und genau darüber standen wir.

Im Regen.


Vielleicht, weil genau in solchen Momenten alles einfacher wird. Man hört auf, nach der perfekten Aussicht zu suchen. Und beginnt zu sehen, was ist. Ich liess es mir nicht nehmen, trotzdem zu fotografieren. Gerade diese gedämpften Farben, dieses weiche Licht, das der Regen mit sich bringt – es hat etwas Ehrliches. Die Konturen verschwimmen leicht, das Licht wird sanft, fast zurückhaltend.


Vielleicht bleiben genau diese Bilder.


Und dann stand er da.

Farbig. Lebendig. Fast leuchtend im grauen Nebel. Der Sri Aruloli Thirumurugan Tempel.



Ein bedeutender hinduistischer Tempel, der dem Gott Murugan gewidmet ist – einer der wichtigsten Gottheiten im südindischen Hinduismus. Seine Fassaden sind überzogen mit Figuren, Symbolen, Geschichten. Jede Farbe scheint gegen den Regen anzuleuchten. Siehst du den Regen? 🌧️


Während der Nebel alles weich zeichnet, wirkt dieser Tempel fast wie ein Gegenpol: nicht still und reduziert – sondern reich, detailverliebt, voller Ausdruck. Und genau darin liegt seine Kraft.


Kek Lok Si Tempel

Wieder unten angekommen ging es weiter zum Kek Lok Si Tempel.

Und ja… das war Training bei dieser feuchten Wärme. 🥵


Stufe für Stufe. Der Weg zieht sich.

Treppen, die kein Ende nehmen wollen.


Und doch hat jede einzelne ihren Sinn.

Man kommt nicht einfach an. Man erarbeitet sich diesen Ort.


Und dann öffnet er sich.


Kek Lok Si Tempel in Penang

Der Kek Lok Si Tempel ist nicht einfach ein Tempel. Er ist eine ganze Welt für sich.


Erbaut Ende des 19. Jahrhunderts, gewachsen über Jahrzehnte – ein Zusammenspiel aus chinesischer, thailändischer und burmesischer Architektur. Die Pagode der Zehntausend Buddhas – sieben Stockwerke, jedes anders gestaltet, ein Symbol für die Vielfalt buddhistischer Traditionen erhebt sich.

Und ich merke, wie sich etwas verbindet.


Überall Details.


Verzierte Dächer, geschwungene Linien, Figuren, die Geschichten erzählen. Laternen, die sich im Wind ganz leicht bewegen.


Buddha

Und immer wieder: Buddhas.



Ich liebe Buddhas.


Diese Ruhe in ihrem Blick.

Dieses Wissen, das nichts erklären muss.

Diese Präsenz, die einfach da ist.


Im Zentrum des oberen Areals steht sie – die grosse Statue der Guanyin, der Göttin der Barmherzigkeit. Über 30 Meter hoch, geschützt von einem filigranen Dach, das wie ein stiller Schirm über ihr schwebt.


Statue Guanyin, Göttin der Barmherzigkeit

Auch hier: Regen. Und vielleicht macht genau das alles noch intensiver.

Die Farben wirken satter. Die Geräusche leiser. Die Stimmung dichter.


Vor dem Tempel stand sie – Guanyin, mit unzähligen Armen. Nicht mächtig, nicht einschüchternd.

Sondern still. Als würde sie sagen: Es gibt immer einen Weg zu helfen.


Guanyin

Der Buddhismus begleitet mich schon lange. Ich habe ihn über die Musik "Buddha Bar" kennen gelernt und begonnen, mich damit zu beschäftigen. Spannennd. Irgendwie wie ein Begleiter, der immer wieder auftaucht.


Vielleicht ist es auch kein Zufall, dass mir heute – an einem einzigen Tag – zwei so unterschiedliche spirituelle Welten begegnen.


Der farbenreiche, kraftvolle Hindu-Tempel dort oben im Nebel. Und hier die stille, ruhige Weite des buddhistischen Tempels.


Zwei Wege. Und doch beide getragen von etwas, das über das Sichtbare hinausgeht. Vielleicht ist es genau das, was mich immer wieder berührt. Nicht die Unterschiede. Sondern das, was darunter liegt.


Ich stehe da, meine Leica in der Hand, schaue über die Anlage, über die Dächer, in die Ferne…

Und merke, wie ruhig es in mir wird.


Einfach dieser Moment. Vielleicht suche ich genau das – immer wieder.


Und vielleicht ist genau das das Geschenk dieses Tages:

Dass selbst im Regen alles da ist. Und doch wäre natürlich trockenes Wetter fotogener gewesen.


…und die Reise geht leise weiter. 🛳️ >>>

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