Zwischen Colombo und sanften Riesen
- Daniel Kneubühl

- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Heute wurden wir schon früh am Morgen abgeholt. Noch etwas verschlafen verliessen wir Colombo und machten uns auf den Weg Richtung Pinnawala.
Drei Stunden Fahrt lagen vor uns. Und doch wurde diese Fahrt selbst schon zu einem Erlebnis.
Die Fahrt - ein Abenteuer für sich
Sri Lanka zieht nicht einfach an einem vorbei. Dieses Land lebt direkt am Strassenrand. Immer wieder fuhren wir durch kleine Dörfer, vorbei an einfachen Häusern, kleinen Werkstätten, offenen Verkaufsständen und winzigen Läden, in denen Früchte, Gewürze oder Getränke verkauft wurden. Frauen in farbigen Kleidern standen am Strassenrand, Kinder liefen lachend zur Schule, Männer sassen vor kleinen Cafés und beobachteten das Geschehen.
Und überall diese TukTuks.

Gefühlt in allen Farben. Laut. Charmant. Manchmal kunstvoll dekoriert. Sie schlängeln sich durch den Verkehr, hupen freundlich, transportieren ganze Familien, Gemüsekisten oder manchmal einfach nur einen einzelnen Fahrgast. Sie gehören zu Sri Lanka wie die Palmen und der Duft von Curry.
Je weiter wir ins Landesinnere fuhren, desto grüner wurde die Landschaft. Palmen wechselten sich mit Bananenstauden ab, kleine Tempel blitzten zwischen den Häusern hervor, und immer wieder sah man Menschen mitten im Alltag. Nicht geschniegelt. Nicht inszeniert. Einfach echt.
In Pinnawala angekommen, führte uns der erste Weg direkt an den Fluss. Dort warteten bereits die Elefanten.
Ein magischer Moment.
Das Flussbad
Langsam stiegen sie ins Wasser. Die grossen Tiere bewegten sich mit einer Ruhe und Selbstverständlichkeit, die fast ehrfürchtig machte. Manche legten sich halb ins Wasser, andere spritzten mit dem Rüssel, kleinere Elefanten tollten verspielt zwischen den Erwachsenen umher. Das Wasser glitzerte in der Sonne, während die Mahouts ihre Tiere aufmerksam begleiteten.
Es war faszinierend zu beobachten, wie sanft diese riesigen Tiere wirken können. Trotz ihrer Kraft strahlen Elefanten etwas Friedliches aus. Etwas Altes. Fast Weises.
Lunch mit Sri Lankas Spezialitäten
Direkt oberhalb des Flusses wurden wir anschliessend zu einem feinen Mittagessen eingeladen. Mit Blick auf die badenden Elefanten genossen wir lokale Spezialitäten aus Sri Lanka.

Und wieder staunte ich über die Vielfalt der Küche hier. Verschiedene Curries, jedes mit eigenem Charakter. Mal würzig und intensiv, mal cremig und mild. Dazu unterschiedliche Reisarten: weisser Reis, roter Reis und gebratener Reis. Überall die typischen Gewürze Sri Lankas – Curryblätter, Kardamom, Zimt, Chili oder Kurkuma. Alles duftet hier intensiver. Wärmer. Lebendiger.
Es war kein hektisches Essen. Sondern ein stilles Geniessen mit Blick auf den Fluss und die Elefanten. Einer dieser Reisemomente, die man tief abspeichert.

Das Pinnawala Elephant Orphanage
Nach dem Mittagessen besuchten wir das berühmte Pinnawala Elephant Orphanage.
Die Auffangstation wurde 1975 gegründet, ursprünglich um verwaiste junge Elefanten aufzunehmen, die in der Wildnis keine Überlebenschance gehabt hätten. Viele hatten ihre Mutter verloren oder waren verletzt aufgefunden worden. Inzwischen leben hier rund sechzig Elefanten. Nicht mehr nur Waisen, sondern auch Tiere, die hier selbst Nachwuchs bekommen haben.
Unser Guide erzählte eindrücklich von der täglichen Arbeit in der Anlage. Von Fütterungen, medizinischer Betreuung und vom Versuch, diesen Tieren ein möglichst gutes Leben zu ermöglichen.
Die Mahouts
Besonders spannend fand ich die Rolle der Mahouts. Jeder Elefant hat seinen Betreuer. Zwischen Mensch und Tier entsteht über Jahre eine enge Beziehung. Die Mahouts kennen die Eigenheiten ihrer Tiere genau – ihre Stimmung, ihren Charakter, ihre Gewohnheiten. Man spürt schnell, dass hier Vertrauen eine grosse Rolle spielt.
Elefantenbullen
Die männlichen Elefanten tragen teilweise Ketten. Das wirkt im ersten Moment vielleicht befremdlich. Uns wurde aber erklärt, dass diese ausschliesslich aus Sicherheitsgründen eingesetzt werden, falls ein Bulle einmal aggressiv reagieren sollte. Elefantenbullen können enorme Kräfte entwickeln, besonders während bestimmter hormoneller Phasen. Die Ketten dienen deshalb als Notfallsicherung – nicht als dauerhafte Einschränkung.

Nach vielen eindrücklichen Begegnungen machten wir uns am späteren Nachmittag wieder auf den langen Weg zurück nach Colombo. Müde sassen wir im Car und schauten still aus dem Fenster. Noch einmal zogen die Dörfer vorbei. TukTuks. Kleine Läden. Menschen am Strassenrand. Das alltägliche Leben Sri Lankas.
Und genau diese Momente zwischen den eigentlichen Sehenswürdigkeiten bleiben oft besonders hängen. Zurück auf der Oceania Regatta fühlten wir uns erfüllt von all den Eindrücken dieses Tages.
Bye Bye Sri Lanka
Sri Lanka hat mich tief beeindruckt. Vielleicht wird dieses Land auf der Welt noch immer etwas unterschätzt. Dabei kommen so viele Dinge von hier, die wir alle kennen: der berühmte Ceylon Tee, Ayurveda, die intensiven Curries oder der feine Zimt, dessen Duft man hier immer wieder wahrnimmt.
Aber Sri Lanka ist mehr als das.
Es sind die Menschen. Die Wärme. Das lebendige Dorfleben. Die Farben. Die Freundlichkeit entlang der Strassen. Und dieses Gefühl, dass hier vieles noch ursprünglicher und echter wirkt als an vielen anderen Orten der Welt. Ich nehme viele schöne Erinnerungen mit von dieser Insel. Und das Gefühl, dass Sri Lanka eigentlich viel mehr Aufmerksamkeit verdienen würde.
Heute Abend verlassen wir Sri Lanka in Richtung Malediven.
Vor uns liegen nun neue Inseln, neue Geschichten und ein ganz besonderer Moment.
… und die Reise geht leise weiter … 🛳️ … zu den Malediven



























