Zwischen Wildnis und Erwartung
- Daniel Kneubühl

- 10. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Wir sind heute Vormittag ganz gespannt in Hambantota gestartet. Heute ist Safari-Tag im Yala National Park.
Schon die Fahrt dorthin war spannend. Vorbei an grünen Reisfeldern, grossen Salzgewinnungsfeldern und immer wieder kleinen Süsswasserseen, die hier als wichtige Wasserreservoirs für die trockenen Monate dienen. Dazwischen kleine Dörfer, einfache Häuser, kleine Läden am Strassenrand und immer wieder Menschen, die unterwegs sind — mit Tuk-Tuks, Motorrädern oder zu Fuss.
Sri Lanka wirkt auf mich unglaublich vielseitig. Tropisch. Farbenfroh. Manchmal chaotisch. Und gleichzeitig geprägt von einer grossen Gelassenheit. Viele Menschen leben hier einfacher als wir in Europa. Das Leben findet oft draussen statt. Auf den Strassen. Vor den Häusern. Zwischen Palmen, Reisfeldern und kleinen Tempeln. Genau dieses Beobachten des Alltags unterwegs gehört für mich fast genauso zu einer Reise wie die eigentliche Destination selbst.
Nach über zwei Stunden Fahrt erreichten wir das wunderschön gelegene Resort Cinnamon Wild Yala. Bereits dort lag dieses Safari-Gefühl in der Luft. Natur. Hitze. Vogelstimmen. Und die Vorfreude auf das, was uns im Nationalpark erwarten würde.
Bevor es losging, stärkten wir uns mit einem feinen lokalen Essen. Verschiedene Curries, Reis in unterschiedlichen Variationen, Gemüse, Fisch und Fleisch — alles wunderbar gewürzt und unglaublich vielfältig. Besonders angetan hatte es mir allerdings das Dessertbuffet. Nicht nur fein, sondern fast zu schön, um es einfach nur zu essen.
Yala National Park
Dann begann unser Abenteuer. Jeder offene Jeep war mit sechs Gästen besetzt, sodass alle direkt einen Platz an der Seite hatten. Perfekt zum Beobachten und Fotografieren.
Der Park selbst ist riesig. Selbst den ersten Teil des Parks haben wir in den gut zwei Stunden nicht komplett durchfahren. Und genau das macht wohl auch den besonderen Reiz von Yala aus. Die Natur wirkt hier nicht inszeniert. Nicht gemacht für Besucher. Sondern wild und ursprünglich.
Im Yala National Park leben Elefanten, Leoparden, Lippenbären, Krokodile, Wasserbüffel, Axishirsche, Affen und unzählige Vogelarten. Yala gilt sogar als einer der Nationalparks mit der höchsten Leopardendichte weltweit. Und trotzdem gibt es keine Garantie, überhaupt einen zu sehen. Genau dieses Ungewisse macht die Safari so spannend.
Axishirsche
Immer wieder begegneten wir auch Axishirschen, die ruhig zwischen Büschen und offenen Grasflächen standen. Mit ihren weissen Punkten im braunen Fell wirkten sie fast wie aus einem Naturfilm gemalt. Manche beobachteten uns aufmerksam, andere liessen sich von den vorbeifahrenden Jeeps kaum stören. Besonders im warmen Licht des Nachmittags strahlten diese eleganten Tiere eine erstaunliche Ruhe aus und verliehen der wilden Landschaft von Yala fast etwas Sanftes.
Krokodile
Schon kurz nach der Einfahrt entdeckten wir die ersten Tiere. Krokodile am Wasser, eines davon mit weit geöffnetem Maul, regungslos und gleichzeitig respekteinflössend.
Affen kletterten durch die Bäume, immer aufmerksam und neugierig.
Wasserbüffel
Wasserbüffel standen halb im Wasser und wirkten beinahe stoisch in der Nachmittagshitze.
Bronzescheitel-Smaragdspint
Besonders gefallen haben mir aber auch die vielen kleinen Momente dazwischen. Ein kleiner Bronzescheitel-Smaragdspint (Asian green bee-eater) auf einem Ast. Fast unscheinbar — und doch wunderschön mit seinen leuchtenden Farben. Er sass ganz ruhig da, als würde er sich bewusst fotografieren lassen.
Überhaupt waren die vielen Vogelarten faszinierend. Immer wieder huschte irgendwo Bewegung durchs Geäst oder ein farbiger Vogel flog durch das warme Licht des Nachmittags.
Bindenwaran
Plötzlich lag da auch ein grosser Bindenwaran (Asian water monitor) am Wegrand. Kraftvoll, urtümlich und irgendwie fast wie ein kleiner Dinosaurier aus einer anderen Zeit. Mit seinen langsamen Bewegungen und der rauen Haut wirkte er gleichzeitig faszinierend und respekteinflössend. Dem möchte ich lieber nicht zu nahe kommen.
Mungo
Und auch ein Mungo huschte überraschend der Strasse entlang. Klein, schnell und ständig aufmerksam. Kaum entdeckt, war er schon wieder verschwunden. Genau diese kurzen, flüchtigen Begegnungen machen eine Safari manchmal besonders spannend, weil man nie weiss, was hinter dem nächsten Busch oder Baum auftaucht.

Doch noch ein Leopard?
Und dann doch noch… der langersehnte Leopard.
Weit entfernt im Dickicht. Nur knapp sichtbar zwischen Ästen und Schatten. Fast mehr Ahnung als wirkliche Sichtung. Da erinnerte ich mich unweigerlich an Botswana, wo wir diesen majestätischen Tieren viel näher gekommen waren. Ich liess die Kamera deshalb bewusst auf meinem Schoss ruhen und genoss einfach den Moment. Nicht jedes Erlebnis muss durch den Sucher festgehalten werden. Manche Bilder entstehen auch nur im Kopf.
Tufted Gray Langur
Ganz am Schluss dann nochmals ein wunderschöner Augenblick. Hoch oben in einem Baum sass eine Tufted Gray Langur-Mutter mit ihrem Jungen eng an sich geklammert. Diese in Sri Lanka heimischen Affen wirken mit ihrem grauen Fell und den dunklen Gesichtern fast etwas weise und ruhig.

Für einen kurzen Moment schien rund um uns alles still zu werden. Ich rief sofort dem Fahrer „Stop!“ zu, damit wir diesen zärtlichen Augenblick festhalten konnten. Genau solche kleinen Szenen bleiben oft länger in Erinnerung als die grossen Sichtungen.
Pünktlich um 18.30 Uhr waren wir wieder zurück bei unserer Oceania Regatta.
Bei einem feinen Dinner und spannenden Gesprächen mit neu gewonnenen Freunden liessen wir diesen besonderen Tag langsam ausklingen.
… und die Reise geht leise weiter … 🛳️ … nach Colombo, Sri Lanka




































































