Unter der Oberfläche
- Daniel Kneubühl

- vor 1 Tag
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Ein Bild. Ein Moment. Und die Welt steht plötzlich still.
Heute bin ich mit dem Tram in die Stadt gefahren. Mit einer ganz einfachen Idee:
Spiegelungen in Pfützen (Glungge auf berndeutsch).
Es hatte letzte Nacht wieder leicht geschneit und geregnet, die Luft war kühl, dieses typische Grau, das die Stadt leiser macht. Nicht unbedingt ein Tag, der nach draussen ruft. Und ich ging trotzdem.
Ich steige aus. Gehe ein paar Schritte. Und dann ist sie da. Diese eine Pfütze, die ich im Kopf und gesucht hatte. Unscheinbar. Wie viele andere auch.
Ich bleibe stehen. Zuerst sehe ich nur Formen. Licht. Bewegung im Wasser. Ich suche das Motiv. Und dann… ordnet sich alles:
Die Kuppel. Das Bundeshaus. Die Spiegelung.

Nicht über mir. Unter mir.
Ich stehe da und schaue. Einen Moment länger als sonst. Touristen beobachten mich und denken: "Was fotografiert der da?" Alles ist ruhig. Gedämpft. Fast so, als würde die Stadt kurz den Atem anhalten.
Ich mache ein Bild.
Zuerst nur eines, dann ein zweites.
Danach gehe ich zurück zur Haltestelle. Steige wieder ins Tram.
Es ist kalt. Feucht. Und irgendwie reicht es.
Ich bin zufrieden.
Nicht, weil ich viel gesehen habe. Sondern weil ich genau das gesehen habe, wofür ich gekommen bin.
Vielleicht ist es genau das. Nicht immer mehr suchen. Sondern erkennen, wann es genug ist.



