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Zwischen Nord und Süd

  • Autorenbild: Daniel Kneubühl
    Daniel Kneubühl
  • vor 11 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Unterwegs auf dem Indischen Ozean


Es gibt Momente auf einer Reise, die man nicht sehen kann – und die man trotzdem spürt.

Heute überqueren wir den Äquator. Mitten im Indischen Ozean.


Äquator auf dem Indischen Ozean
Der Indische Ozean am Äquator

Keine Linie im Wasser. Keine Boje. Kein Schild. Kein sichtbarer Übergang zwischen Nord- und Südhalbkugel. Und dennoch weiss man plötzlich: Genau jetzt fährt unser Schiff über die Mitte der Erde.

Dieser Gedanke hat etwas Faszinierendes.


Seit Jahrhunderten war die Überquerung des Äquators für Seefahrer ein besonderer Moment. Früher wurde dieses Ereignis auf Schiffen oft mit kleinen Zeremonien gefeiert. Für viele war es ein symbolischer Übergang. Ein Stück Abenteuer. Eine Grenze, die nicht aus Stein oder Metall besteht, sondern nur in unseren Köpfen und auf den Karten dieser Welt existiert.

Auch heute wurde auf der Regatta an Deck gefeiert.


Ich schaute eine Weile zu. Menschen, die zum ersten Mal den Äquator überquerten, mussten bei einer kleinen, humorvollen „Gerichtsverhandlung“ antreten. Danach wurden sie zu allerlei Spässen verurteilt: Ein grosser Fisch musste geküsst werden, ehe eine eiskalte Dusche folgte. Der Fisch lag tatsächlich bereit auf dem Deck. Irgendwie typisch amerikanisch inszeniert. Laut, lustig, ein bisschen verrückt – und doch spürte man, dass viele Gäste Freude an diesem besonderen Moment hatten.


Ich selbst blieb lieber etwas im Hintergrund und beobachtete das Ganze mit einem Schmunzeln. Vielleicht passt das auch besser zu meiner Art zu reisen. Nicht immer mitten im Trubel stehen. Sondern manchmal einfach still beobachten, Atmosphäre aufnehmen und solche Momente wirken lassen.


Mitten auf dem offenen Meer wird einem bewusst, wie künstlich viele Grenzen eigentlich sind. Unter uns nur Wasser. Über uns nur Himmel. Und irgendwo dazwischen verläuft diese unsichtbare Linie um unseren Planeten.


Im Indischen Ozean fühlt sich das noch intensiver an.


Balkon Aussicht auf den Indischen Ozean
Chillen auf dem Balkon

Rundherum nichts als Weite. Tage entfernt von jedem Zuhause. Tausende Kilometer von der Schweiz entfernt. Und trotzdem fühlt man sich in solchen Momenten seltsam verbunden mit dieser Erde.


Ich stand heute lange an der Reling und blickte hinaus aufs Meer. Dieses endlose Blau. Die ruhigen Wellen. Das Licht. Vielleicht schaut man auf See bewusster hin, weil es weniger Ablenkung gibt. Kein Verkehr. Kein Lärm einer Stadt. Nur Wind, Wasser und meine Gedanken.


Indischer Ozean
wie schön blau das Meer heute ist

Spannend ist auch, dass am Äquator Tag und Nacht fast das ganze Jahr gleich lang sind. Die Sonne steigt hier viel steiler auf als bei uns zuhause. Das Licht wirkt direkter, klarer und intensiver. Schatten scheinen härter gezeichnet. Farben leuchten stärker. Vielleicht erklärt das auch diese besondere Stimmung auf dem Meer – dieses helle, fast grenzenlose Licht, das einen den ganzen Tag begleitet.


Und während unser Schiff ruhig weiter Richtung Süden fährt, merke ich einmal mehr, wie sehr Reisen den Blick verändert. Nicht nur auf Länder oder Menschen. Sondern auch auf Zeit, Distanz und auf sich selbst.


Heute haben wir eine Linie überquert, die man nicht sehen kann. Und trotzdem wird mir dieser Moment bleiben.

… und die Reise geht leise weiter … 🛳️ … zu den Seychellen




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