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Zwischen Weinbergen, Weite und wilden Blicken 🦁

  • Autorenbild: Daniel Kneubühl
    Daniel Kneubühl
  • 2. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Heute Morgen begann alles überraschend ruhig. Fast europäisch.


Kaffee, Gipfeli und plötzlich Robben

PAUL, das war die Adresse heute zum Kaffee. Dieses französische Café kenne ich bereits aus Miami, und irgendwie fühlte es sich fast vertraut an, mitten hier am anderen Ende der Welt.

Frischer Kaffee. Ein warmes Gipfeli. Hafenstimmung.

Robbe

Und dann, nur wenig später, lagen sie plötzlich da: Die Robben (Seals). 🦭

Ganz entspannt zwischen Booten, Stegen und Hafenmauern. Während rundherum Menschen unterwegs waren, schienen sie ihre eigene Zeitrechnung zu haben. Gelassen. Unbeeindruckt. Fast majestätisch in ihrer Ruhe.

Ich beobachtete sie eine ganze Weile. Vielleicht, weil Tiere mich immer berühren. Vielleicht auch, weil sie mich daran erinnern, wie wenig es manchmal braucht, um einfach im Moment zu sein.


Die Fahrt ins Landesinnere

Kurz darauf verliessen wir Kapstadt.

Die Strassen führten uns hinaus aus der Stadt, vorbei an den berühmten Weinregionen rund um Stellenbosch. Die Landschaft veränderte sich ständig. Sanfte Hügel. Weinberge. Weite Täler. Dann wurden die Berge höher. Die Strassen schmaler. Wir fuhren durch den längsten Strassentunnel Südafrikas und immer tiefer hinein in jene Landschaft, die langsam den Charakter der Karoo annimmt. Eine trockene, raue Schönheit. Was mich unterwegs besonders beeindruckte, waren die kleinen Häuser vieler Farmarbeiter. Unser Guide erklärte uns, dass ein Teil dieser Siedlungen staatlich unterstützt wird, um die Lebensbedingungen der Menschen in den ländlichen Regionen zu verbessern. Keine Luxuswohnungen. Keine Villen. Aber kleine, gepflegte Häuser, die Würde und Stabilität vermitteln.

Etwa eine Stunde nach unserer Abfahrt wurde die Kraft der Natur sichtbar. Eine Bahnlinie war noch immer beschädigt. Erst vor wenigen Wochen hatte ein heftiger Sturm durch dieses Tal gefegt. Man sah noch die Spuren der Wassermassen, die sich ihren Weg durch die Landschaft gebahnt hatten.

Afrika zeigte sich heute nicht nur als Tierparadies, sondern auch als Land voller Gegensätze.


Aquila – Safari vor den Toren Kapstadts

Heute besuchten wir das Aquila Private Game Reserve.

Das Reserve umfasst rund 10'000 Hektaren und liegt etwa zwei Stunden nordöstlich von Kapstadt. Ursprünglich war es vor allem für Antilopen gedacht, entwickelte sich später aber zu einem Big-Five-Reserve. Natürlich musste ich unweigerlich vergleichen:

Mit Botswana. Mit Hluhluwe. Mit Tala. Mit Mpongo.

Und genau da liegen die Unterschiede.

Botswana bleibt für mich das intensivste Safari-Erlebnis. Kleine Fahrzeuge. Wenige Gäste. Endlose Wildnis. Man fühlt sich dort fast als Teil der Natur. Aquila dagegen ist deutlich touristischer organisiert.

Statt kleiner Jeeps sassen wir heute auf einem grossen Truck mit rund 24 Gästen.


Ganz ehrlich: Das mochte ich zunächst überhaupt nicht. Es fehlte mir dieses intime Safari-Gefühl, das ich aus Botswana kenne. Doch dann begann die Tierwelt ihre Magie zu entfalten. Und plötzlich spielte die Grösse des Fahrzeugs kaum noch eine Rolle.


Ein Tag voller Begegnungen 🐘🦏🦁

Selten zuvor haben wir an einem einzigen Tag so viele Tiere gesehen.


Flusspferde - Nashörner - Büffel - Elefanten - Giraffen - Springboks - Zebras - Baboons - Elands (die grössten Antilopen Afrikas) - und dann auch noch Löwen!




Die Elefanten 🐘

Elefanten faszinieren mich jedes Mal aufs Neue: ein wunderschönes Tier. Ihre Grösse ist gewaltig. Und gleichzeitig strahlen sie etwas Friedliches aus.



Man beobachtet sie und vergisst fast, dass hier mehrere Tonnen Muskelkraft vor einem stehen. Besonders schön finde ich immer wieder ihre sozialen Strukturen. Elefanten leben nicht einfach zusammen. Sie kümmern sich umeinander. Beschützen ihre Jungen. Trauern sogar um verstorbene Herdenmitglieder. Je öfter ich Elefanten sehe, desto mehr habe ich das Gefühl, dass sie uns Menschen ähnlicher sind, als wir manchmal glauben.


Die Nashörner 🦏

Auch heute begegneten wir mehreren Nashörnern. Jedes Mal beeindruckt mich ihre Präsenz. Diese Tiere wirken wie Relikte aus einer anderen Zeit. Fast prähistorisch. Und gleichzeitig schwingt immer auch etwas Traurigkeit mit. Denn kaum ein anderes Tier Afrikas ist so stark von Wilderei bedroht.



Aquila schützt seine Nashörner intensiv und arbeitet mit Anti-Poaching-Einheiten. Die Hörner vieler Tiere wurden vorsorglich entfernt, um sie für Wilderer unattraktiv zu machen. Die Tiere werden dabei nicht verletzt; die Hörner wachsen wieder nach, wie bei uns die Fingernägel.


Die Löwen - das grosse Highlight des Tages 🦁


Löwe

Ein prächtiger Löwe. Und sofort versteht man, warum der Löwe als König der Tiere bezeichnet wird.

Nicht wegen seiner Grösse. Sondern wegen seiner Ausstrahlung.

Dieser Blick.

Diese Ruhe.

Dieses völlige Wissen um die eigene Stärke.


Und dann die drei Löwinnen. Näher konnten wir ihnen kaum sein.

Nur wenige Meter vor unserem Fahrzeug liefen sie durch das trockene Gras und über unsere Strasse. Ruhig. Selbstbewusst. Mit dieser unglaublichen Mischung aus Eleganz und Kraft, die wohl nur Grosskatzen ausstrahlen können. Jede Bewegung wirkte mühelos. Jeder Schritt hatte etwas Majestätisches. Es war, als würde die Zeit für einen Moment langsamer werden.



Was wir heute erfahren haben: Die Löwen von Aquila stammen grösstenteils aus der sogenannten „Canned Hunting“-Industrie – einer in Südafrika stark kritisierten Praxis, bei der Löwen gezüchtet werden, um später in eingezäunten Gebieten gejagt zu werden. Aquila hat zahlreiche dieser Tiere übernommen und schützt sie heute in grossen, gesicherten Bereichen.

Viele dieser Löwen sind in Gefangenschaft aufgewachsen und können nicht einfach in die freie Wildbahn entlassen werden. Einige zeigen zwar Jagdverhalten, sind aber nicht mehr vollständig auf ein Leben in freier Wildnis vorbereitet. Sie sind aber bemüht, die Löwen wieder ans Jagen zu gewöhnen, das finde ich sehr gut.


Vielleicht hat mich genau das heute besonders berührt. Zu wissen, dass diese majestätischen Tiere eine schwierige Vergangenheit hinter sich haben. Und dennoch da liegen, würdevoll, stark und wunderschön.


Flusspferde in der blauen Stunde 🌙

Nach dem Sundowner wurde das Licht immer knapper. Die Sonne war längst hinter den Bergen verschwunden. Als plötzlich ein Flusspferd an Land auftauchte. Jetzt begann der Kampf zwischen Fotograf und Technik. Meine Nikon Z7 musste heute wirklich an ihre Grenzen gehen. Hohe ISO-Werte. Kaum noch Licht. Und trotzdem wollte ich diesen Moment unbedingt festhalten. Denn genau solche Augenblicke machen Safari für mich aus. Nicht die perfekten Bedingungen. Sondern die Herausforderung. Und das Glück, genau im richtigen Moment dort zu sein.



Gedanken auf der Rückfahrt

Als wir später wieder Richtung Kapstadt fuhren, gingen mir viele Gedanken durch den Kopf.

Ja - Die Anreise von rund zwei Stunden pro Weg ist lang.

(aber ich konnte die Zeit nutzen und auf dem iPad diesen Text verfassen).

Ja - Das Reserve ist deutlich touristischer als jene Safaris, die ich aus Botswana kenne.

Und ja - Ich werde die kleinen offenen Jeeps mit sechs Gästen immer bevorzugen.

Aber: Heute wurde ich mit einer unglaublichen Vielfalt an Tieren belohnt. Vielleicht mehr als an jedem anderen einzelnen Safari-Tag dieser Reise. Und manchmal darf man zwei Wahrheiten gleichzeitig fühlen: Dass etwas nicht perfekt ist und trotzdem wunderschön. 🦁🐘🦏🌅


...und die Reise geht nach Hause


Tag an.

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