Die Reise, die bleibt
- Daniel Kneubühl

- vor 19 Stunden
- 5 Min. Lesezeit
6’713 Seemeilen, acht Länder, sieben Safaris und unzählige Momente, die für immer bleiben werden.
Der letzte Morgen
Heute Morgen erwachte ich zum letzten Mal in Kapstadt.
Draussen lag die Stadt in leichtem Regen. Der Wetterbericht zeigte aber Besserung. So war der Tafelberg und seine beiden Kollegen Lion's Head und Signal Hill kaum richtig zu sehen. Die Luft war feucht und frisch.
Und irgendwo zwischen Vorfreude auf Zuhause und Wehmut über das Ende dieser Reise wurde mir bewusst:
Heute geht etwas Besonderes zu Ende.
Vor einem Monat standen wir in Singapur an der Gangway. Voller Erwartungen. Voller Vorfreude. Mit dem Gefühl, dass ein grosses Abenteuer vor uns liegt.
Nun liegen 6’713 Seemeilen hinter uns.
Und eine Fülle von Erinnerungen, die sich kaum in Worte fassen lässt.
6’713 Seemeilen später
Unsere Reise begann in Singapur. Von dort führte uns die Route über Kuala Lumpur, Penang, Langkawi und Phuket. Weiter nach Sri Lanka mit Hambantota und Colombo. Zu meinem 60. Geburtstag auf die Malediven. Zu den Seychellen. Nach Mauritius. Und schliesslich entlang der Küste Südafrikas über Richards Bay, Durban und East London bis nach Kapstadt.
Zwölf Häfen.
Acht Länder.
Vier Wochen auf See.
Jeder Ort mit seinem eigenen Charakter.
Jeder Hafen mit seinem eigenen Rhythmus.
Und jede Ankunft fühlte sich an wie das Öffnen eines neuen Kapitels.
Acht Länder, unzählige Welten
Was mich auf Reisen immer wieder fasziniert, ist die Vielfalt unserer Welt. Wir hörten Malaiisch, Thai, Singhalesisch, Tamil, Dhivehi, Kreolisch, Englisch, Zulu, Xhosa und Afrikaans.
Sprachen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Und doch begegnete uns überall dasselbe:
Freundlichkeit.
Neugier.
Gastfreundschaft.
Ob in den Gassen von Penang, auf einem Markt in Mauritius oder mitten in einem afrikanischen Dorf – überall trafen wir Menschen, die ihre Heimat mit Stolz und Herzlichkeit mit uns teilten.
Zwischen Tempeln und Traditionen
Diese Reise führte uns nicht nur durch Länder, sondern auch durch unterschiedlichste Kulturen. Wir standen vor buddhistischen Tempeln. Besuchten hinduistische Heiligtümer. Sahen Moscheen und christliche Kirchen. Erlebten afrikanische Traditionen.
Jede Kultur erzählt ihre eigene Geschichte.
Und jede Begegnung erinnerte mich daran, wie vielfältig unsere Welt ist.
Vielleicht ist genau das eine der schönsten Seiten des Reisens: Zu erkennen, wie verschieden wir leben – und wie ähnlich wir uns dennoch sind.
Die Farben des Wetters
Auch das Wetter erzählte seine eigene Geschichte. Wir erlebten tropische Hitze in Südostasien. Hohe Luftfeuchtigkeit in Sri Lanka. Warme Nächte auf den Malediven. Gewitterwolken über Mauritius. Endlose Sonnenuntergänge auf dem Indischen Ozean.
Und schliesslich den kühlen Herbst Südafrikas.
Jeder Wind. Jede Wolke. Jeder Sonnenaufgang. Jeder Sonnenuntergang.
Als würde die Natur ihre eigenen Kapitel zu dieser Reise schreiben.
Siebenmal auf Pirsch
Ein ganz besonderes Geschenk dieser Reise waren die sieben Safaris und Wildtier-Erlebnisse. Den Anfang machte der Yala National Park in Sri Lanka. Danach folgten sechs weitere Reservate in Südafrika: Zulu Nyala, Bonamanzi, Tala, Inkwenkwezi, Mpongo und Aquila.
Vom tropischen Sri Lanka bis in die Weiten Afrikas.
Von Elefanten und Waranen bis zu Löwen, Nashörnern und Giraffen.
Jede Safari war anders.
Und jede hinterliess ihre eigenen Erinnerungen.
Wenn die Welt still wird
Natürlich sahen wir viele Tiere.
Elefanten.
Nashörner.
Büffel.
Flusspferde.
Giraffen.
Zebras.
Gnus.
Antilopen.
Strausse.
Affen.
Und unzählige Vogelarten.
Doch die schönsten Momente waren oft die stillen: Wenn eine Giraffe langsam durch die Landschaft zog. Wenn drei Löwinnen lautlos vor unserem Fahrzeug vorbeigingen. Wenn ein Flusspferd nur Augen und Ohren aus dem Wasser hob. Wenn ein einzelnes Impala aufmerksam in die Ferne blickte. In solchen Augenblicken scheint die Welt für einen Moment stillzustehen.
Und genau diese Momente bleiben. Und es hat mir die Liebe zu Tieren und zu Safaris verstärkt. Ja, das ist mein Ding.
Durch die Linse gesehen
Auch fotografisch war diese Reise ein Geschenk. Tausende Bilder sind entstanden.
Mit meiner Leica Q3 43 (43mm).
Mit meiner Leica M E V1 (35mm) .
Mit meiner Nikon Z7 (70-200mm).
Mit Geduld (die ich oft weniger habe).
Mit offenen Augen.
Den Moment suchend.
Und oft mit dem Versuch, nicht nur das Offensichtliche festzuhalten. Nicht nur Gebäude.
Nicht nur Landschaften.
Sondern Licht.
Stimmungen.
Blicke.
Farben.
Spiegelungen.
Augenblicke.
Denn manchmal erzählt ein kleines Detail mehr als eine ganze Landschaft.
Worte gegen das Vergessen
Parallel zu den Bildern entstanden meine Journale.
Fast jeden Tag.
Manchmal spät abends.
Manchmal früh am Morgen.
Zwischen zwei Häfen.
Zwischen zwei Ausflügen.
Zwischen zwei Sonnenuntergängen.
Was ursprünglich als persönliche Erinnerungen gedacht war, entwickelte sich zu einer täglichen Begleitung dieser Reise.
Ein Weg, Eindrücke festzuhalten. Meine Leidenschaften zu zeigen.
Fürs Reisen.
Fürs Fotografieren.
Fürs Schreiben.
Meine Gefühle sichtbar zu machen.
Und besondere Momente nicht einfach vorbeiziehen zu lassen.
Afrika hat mein Herz berührt
Von allen Stationen dieser Reise hat Afrika etwas ganz Besonderes in mir ausgelöst.
Vielleicht liegt es an der Weite.
Am Wiedersehen.
An der Tierwelt.
An den Landschaften.
Oder an der Gelassenheit vieler Menschen.
Ich weiss es nicht.
Ich weiss nur: Hier fühle ich mich wohl, sehr wohl! Mit jedem Tag ein bisschen mehr.
Südafrika hat einen festen Platz in meinem Herzen gefunden.
Und ich bin sicher, dass dies nicht mein letzter Besuch gewesen ist.
Oceania, wir kommen wieder
Auch der Abschied vom Schiff fällt mir schwer. Die Oceania Regatta war während eines Monats unser Zuhause. Ein Zuhause auf dem Meer. Mit einer grossartigen Crew. Mit Menschen, die uns jeden Tag freundlich begegneten.
Mit vertrauten Gesichtern.
Mit Routinen, die längst selbstverständlich geworden waren.
Heute endet diese gemeinsame Reise.
Aber ich bin sicher: Oceania, wir kommen wieder.
Danke fürs Mitreisen
Ein grosses Merci an alle, die unsere Reise begleitet haben.
An alle, die meine Bilder angeschaut haben.
An alle, die meine Journale gelesen haben.
An alle, die kommentiert, geschrieben, geliked und mitgefühlt haben.
Oft sass ich irgendwo auf dem Schiff und schrieb. Manchmal früh am Morgen. Manchmal spät am Abend, wenn das Meer draussen bereits dunkel geworden war. Der Aufwand war nicht klein. Zwei bis drei Stunden pro Journal waren keine Seltenheit. Bilder auswählen, RAW-Dateien entwickeln, Erinnerungen ordnen und die richtigen Worte finden.
Doch genau diese Stunden gehörten für mich genauso zur Reise wie die Ausflüge an Land. Während ich schrieb, konnte ich die Erlebnisse noch einmal durchleben und festhalten, bevor sie langsam zu Erinnerungen wurden.
Und irgendwo in der Schweiz, in Europa oder sonst auf der Welt las jemand diese Zeilen.
Dieser Gedanke hat mich immer wieder gefreut.
Danke, dass ihr mitgereist seid. ❤️
Und vielleicht noch eine letzte Frage
Während ich diese letzten Zeilen schreibe, frage ich mich, welche Momente dieser Reise euch besonders geblieben sind.
War es ein Journal?
Ein Bild?
Eine Begegnung?
Eine Safari?
Ein Sonnenuntergang auf See?
Oder vielleicht ein ganz unscheinbarer Augenblick irgendwo zwischen all den grossen Erlebnissen?
Falls euch etwas besonders berührt oder gefallen hat, freue ich mich natürlich über eine persönliche Nachricht. Es würde mich sehr interessieren, welche Erinnerungen von dieser Reise nicht nur bei mir, sondern auch bei euch geblieben sind.
Totsiens (Auf Wiedersehen)
(da hat mir natürlich das Internet geholfen)
Man sagt, jede Reise endet zweimal.
Einmal, wenn man ankommt.
Und ein zweites Mal, wenn die Erinnerungen langsam beginnen, Geschichten zu werden.
Heute endet die erste.
Die zweite wird noch lange weitergehen.
Selamat tinggal. (Malaiisch)
ลาก่อน (Thai)
ආයුබෝවන් (Singhalesisch)
விடைபெறுகிறேன் (Tamil)
Orevwar. (Seychellen-Kreol und Mauritius-Kreol)
Sala kahle. (Zulu, die "Klick-Sprache", die mich immer wieder beeindruckt)
Hamba kakuhle. (Xhosa)
Totsiens. (Afrikaans)
Diese wunderschöne Mini-Weltreise endet hier.
Jetzt. ❤️


